ALLGEMEINE MUSIKALISCHE ZEITUNG. 15 Musikbeilagen zu Jahrgang I (1799-1800; = Beylagen Nr. III bis XVIII), in Typendruck, sowie (gleichfalls in Form einer Beilage, jedoch in Buchdruck) das Libretto zu Haydns Schöpfung. Leipzig, Breitkopf & Härtel [1799/1800]. Bestell-Nr.: 58/62 Preis: € 250,00 Die Lieferungen besitzen verschiedenen Umfang: 1 bis 4 Bll., diese teilweise mit größerem Format als die Zeitung und deshalb gefaltet (generell etwas gebräunt, vereinzelt fleckig, ins gesamt aber sehr gut erhalten). Die ganze Sammlung befindet sich in einer neuen, sehr hüb schen HLdr-Schatulle mit Marmorpapierbezug, groß-4to. – Inhalt (alphabetisch): Dom. DELLA-MARIA: O ciel! Ma surprise est extrème aus Le prisonnier – Beylage IV. Joseph HAYDN: Duett aus Die Schöpfung (Der tauende Morgen) – Beylage VI. ders.: Textbuch zur Schöpfung – Beylage VII. ders.: Lied Wie lieb ich dich – Beylage XII (zu: 10. April 1799). Hob. XXVIa:33 (gehört zu: Sechs englische Canzonetten mit dem originalen Text: In thee I bear so). K. A. v. LICHTENSTEIN: Duett (Lasse die Blüte des Lebens) aus Bathmendi. Beylage X. Johann Friedrich REICHARDT: Rondo der Miranda (Trockne, trockne deine Tränen) aus Die Geisterinsel – Beylage VIII. Giovanni ROESLER: Alla Polacca (Già sento con diletto) – Beylage III. J. J. RÖSLER:Rundgesang (Freude, Schwester edler Seelen) – Beylage XVII. Andreas ROMBERG: Kanon für Streichquartett – Beylage XV. ders.: Zwei Kanons – Beylage XVIII. C. F. G. SCHWENKE: Lied »Der Frohsinn« – Beylage XVI. J. G. »Abbé« VOGLER: Trichordium »Comme le jour me dure« (5st. Chor). Beylage XIV. Jos. WÖLFL: Arie (Raufen kann ein jeder Bauer) aus Der Kopf ohne Mann. Beylage XIII. Johann Rudolf ZUMSTEEG: Duett (Traurige Korallen) aus Die Geisterinsel. Beylage IX. Musikbeispiele zu Rezensionen – Beylage V. Spanische Volksstücke – Beylage XI. Interessante Sammlung, die einen Querschnitt durch beliebte Stücke jener Zeit vermittelt. Ein musikalisches Original der Mozart-ZeitBAGGE, Karl Ernst von (1722–1791). Concerto de Violon à plusieurs instruments [C-Dur] Dedié a Son Altesse Royale Monseigneur le Prince de Prusse, Paris, s. n. [um 1780]. Vollständiger Stimmsatz in Stich, folio: Vl. Principale (2 Bll. – Titel, Widmung, 7 S.), Ob.1-2 (je 1 S.), Hr.1-2 (je 1 S.), Vl.1 (5 S.), Vl.2 (5 S.), Va.1 (4 S.), Va.2 (3 S.), Basso (4 S.). Stempelspur auf dem Titelbl. Bestell-Nr.: 58/63 Preis: € 750,00 RISM B 640 (3 Expl., nur eines in Deutschland). – Dem adligen Komponisten und seinem königlichen Widmungsempfänger (vermutlich Friedrich Wilhelm II., seit 1786 preußischer König) gemäß wurde die Titelseite sehr aufwändig gestaltet: Im Rahmen finden sich zahlreich Putti, die sehr malerisch auf Wolken platziert sind; sie musizieren, beschäftigen sich mit der Bildenden Kunst und haben offenbar auch miltärische Ambitionen – im oberen Bereich geben sie sich mit Kanonen, Bajonetten und Fahnen ab. Auf diese unfriedliche Symbolik bezieht sich auch die Widmung an den Preuß. Kronprinzen: „Toute L’Europe admire vos Talens guerriers“, heißt es da, doch es werden auch Künste und Wissenschaften gebührend gewürdigt. Bagge erweist sich im vorliegenden Violinkonzert als durchaus origineller Komponist: Mehrfach taucht in der Solo-Partie die Spielanweisung voce omana bzw. voce omana sopra la quarta auf, was für die damalige Zeit zu bedeuten hat, dass die Tongebung des Geigers die menschliche Stimme imitieren soll – nach Leopold Mozart heißt das, ein natürliches Vibrato wie ein Sänger einzusetzen (man sage dies weiter an alle Übertreibungsapostel des non vibrato-Spiels, das – zumindest als Absolutum – eine ideologische Erfindung des späten 20. Jahrhunderts ist). – Ein weiterer, für die damalige Zeit ungewöhnlicher Einfall ist ein Recitativo Andante, mit dem der 2. Satz, Cavatina, eingeleitet wird. Dem gegenüber wirkt der Begleitsatz des Orchesters, der sich dem Solisten völlig unterordnet, noch sehr konventionell (ungewöhnlich ist allerdings die Teilung der Bratschen). Bagge lebte seit ca. 1750 in Paris und gilt als komponierender Dilettant par excellence; er spielte auch die Violine ganz leidlich und sammelte Musikinstrumente. Seine Zeitgenossen bestaunten ihn deshalb nicht nur, sondern amüsierten sich über den Sonderling, der aber auch viele Künstler (darunter Viotti und Kreutzer) gefördert hat. Auch die Famile Mozart hatte 1764 und 1777/78 häufige Kontakte mit Baron Bagge. Am 28. Februar 1778 schreibt Leopold an seinen Sohn und analysiert wohl am genauesten seine Tätigkeit: „Er ist, so viel ich weis ein armer Baron aus Preussen […] und hat sich in Paris mit einer sehr reichen Hutmacherstochter verheyrathet […] Er ist ein passionierter Liebhaber der Musick. Er hat immer Concerten in seinem Haus gegeben […] Dazu hatte er immer einige Leute […] die er für allzeit bezahlte, ihnen aber wenig gab […] Im übrigen behalf er sich mit allen fremden Virtuosen, die alle zu ihm Kamen, da sie in einer fremden Statt bey ihm sich Raths erhohlen und in fernere Bekanntschaften kommen konnten. Selbst die Pariser Virtuosen kommen öfters hin, einige,wenn sie etwas neues haben, solches alda probieren zu können, andere um fremde Musikstücke alda zu hören, weil er sich sehr um neue musikalien bewierbt, und endlich kommen sie auch dahin um Gelegenheit zu haben, neue fremde angekommene Virtuosen zu hörn. […]“ Bagge war also eine Institution, Laboratorium für ‚Neue Musik’ und Kontaktbörse in einem, und so ist es legitim, dass man sich seiner auch in der Kunst erinnerte: Einmal in der opéra comique La musicomanie (1779) von Nicolas-Médard Audinot und zum andern in E. T. A. Hoffmanns Serapionsbrüdern.
BEETHOVEN, Ludwig van (1770–1827). Das Blümchen Wunderhold. Es blüht ein Blümchen irgent [!] wo. Gedicht von Bürger in Musik gesezt mit Clavier Begleitung [...] N° 18. [...] 16x. Mainz, Schott, Pl.-Nr. 113 [1818]. Doppelbl. (Titel, S. 10+11, vacat) in Stich, folio. Mit Faden in einen zeitgenöss. Umschlag aus dünnem blauem Karton der Musikalienhandlung A. Methfessel in Bern eingebunden. Musikalien stark stockfleckig, jedoch ohne Benutzungsspuren. Bestell-Nr.: 58/66 Preis: € 120,00 Kinsky-Halm, S. 123; sehr früher Nachdruck. – Es handelt sich um das letzte der acht Lieder op. 52, die 1805 erstmals im Wiener Kunst und Industrie-Comptoir erschienen waren. Das für Schott untypische Druckbild lässt vermuten, dass der Stich bei Zulehner (Mainz) angefertigt worden und sogleich an Schott übergegangen ist. Diese Ausgabe gehört zur Sammlung Gesänge für Klavier von Beethoven (hier Nr. 18; deshalb auch die hohe Paginierung). – Ebenso wie die übrigen Lieder des op. 52 dürfte die vorliegende Vertonung noch aus Beethovens Bonner Zeit stammen. Es handelt sich um ein schlichtes Strophenlied, das noch nichts vom späteren Stil des Komponisten erahnen lässt. Gerade deshalb ist es aber auch ein interessantes Zeugnis zur Entwicklung seiner Künstlerpersönlichkeit, dazu in einer äußerst seltenen Ausgabe.
BEETHOVEN, Ludwig van (1770–1827). Sonate [e-moll] für das Piano-Forte, gewidmet dem Hochgebornen Herrn Grafen Moritz vom Lichnowsky [...] 90tes Werk [...] A. Müller sc. Wien, Steiner, Pl.-Nr. S. et C. 2350 [1815]. 1 Bl. (Ti-tel), 16 S. in Stich, quer-folio. Schwach fleckig, sehr klarer Druck. Bestell-Nr.: 58/68 Preis: € 2.800,00 Kinsky-Halm, S. 249; Dorfmüller S. 223 & 332; Slg. Hoboken II, 385. – Originalausgabe, ältester Abzug, noch ohne gedruckten Preis. – Der Druck kam auch mit einer abweichenden Platten-Bezeichnung, C. D. S. A. S. 2350, heraus; dies entspricht zwar einer älteren Firmierung, doch weist der Text die von Beethoven brieflich am 27. Juni 1815 verlangten Korrekturen auf (Antony van Hoboken bezeichnete diese Ausgabe gar als einen Neustich). Für den textlichen Zweitzustand dieser Platten spricht auch der Umstand, dass Steiner von ihnen zwei Titelauflagen mit dem Impressum Breitkopf & Härtels sowie Simrocks herstellen ließ, zu denen jeweils die korrigierten Platten mit der Pl.-Nr. C. D. S. A. S. 2350 Verwendung fanden – Kooperationsmodelle, die zu jener Zeit noch äußerst selten waren. Die Ausgabe mit der vereinfachten, eigentlich erst ab 1815 geltenden Plattenbezeichnung S. et C. 2350 hat dagegen noch die alten Fehler und muss deshalb, der Logik der Textentwicklung zufolge, die ältere sein. Steiner scheint 1815, im Jahr des Impressum-Wechsels, beide Platten-Bezeichnungen noch ohne Logik parallel nebeneinander benützt zu haben. Unser Exemplar war offenbar im deutschen Handel, denn die Preisauszeichnung wurde handschriftlich mit Bleistift auf 20gr. festgelegt (zu diesem Preis wurde das Werk auch bei Breitkopf & Härtel in der AMZ angeboten). – Das besonders originelle Werk besteht aus nur zwei Sätzen. Es ist Beethovens Förderer Graf Moritz von Lichnowsky gewidmet, der bereits mit Mozart befreundet gewesen war. Am 21. September 1814 hatte Beethoven Lichnowsky geschrieben, dass diese Sonate eine Überraschung sein sollte, „um Ihnen meine Gefühle für Ihre Freundschaft und Wohlwollen öffentlich darzulegen“. Nur privatim dagegen scheint Beethoven seinem Faktotum Schindler erzählt zu haben, die Sonate schildere „die Liebesgeschichte des Grafen mit seiner zweiten Frau“, einer Sängerin namens Johanna Stummer vom Theater an der Wien (Thayer-D-R III, 439 f.).
BENSER, John Daniel (gest. 1785). A Second Sett of Six Sonatas [C, G, B, D, F, Es] for the Piano Forte or Harpsichord &c. With an Accompanyment for a Violin &c. [...] Opera Second. Pr. 10s:6. London, Welcker [1776]. 1 Bl. (Titel), 32 S. Partitur in Stich, quer-folio, Titelseite leicht gebräunt; schöner neuerer HLdrbd. mit Marmorpapierbezug. Notenteil mit klarem Druckbild. Bestell-Nr.: 58/69 Preis: € 280,00 RISM B 1961 (3 Expl., davon 2 in GB, 1 in USA). BUC, S. 101. – Selbst New Grove kann über den Komponisten kaum mehr berichten als das, was Gerber im NTL schon 1810 wuss-te: Benser sei „ein Klavierist und Komponist“ gewesen, der wahrscheinlich aus Deutschland stammte. Von seinem Gesamtschaffen lassen sich insgesamt fünf Opera nachweisen (darunter charakteristische Divertimenti für Klavier zu vier Händen mit programmatischen Titeln: Die Schlacht, Die Jagd und Das Echo). – Die Ergänzung Violin &c. deutet darauf hin, dass grundsätzlich auch an Alternativbesetzungen gedacht war (bei op. 1 heißt es z. B. ausdrücklich for a violin or german flute, obwohl die Solo-Partie bis zum g hinab reicht!). – Hier handelt es sich um zweisätzige Sonaten bei denen einem raschen Satz ein Menuettoder Rondo folgt. Der Violinpart ist – wie zu jener Zeit üblich – dem Klaviersatz nachgeordnet (eine Aufführung mit dem Klavier allein wäre also durchaus möglich).
BOISMORTIER, Joseph Bodin de (1689–1755). Sonates a deux Flûtes-Traversieres sans Basse [...] OEuvre IId. Se vend 3tt 5s. en blanc. [...] Marin sculpsit. Paris, L’auteur / Boivin, 1724. 2 Bll. (Titel, Privileg, Widmungsgedicht), 24 S. Partitur in Stich, folio; geringe Alterungsspuren; Notenteil sehr gut. Bestell-Nr.: 58/70 Preis: € 750,00 RISM B bzw. BB 3351 (4 Fundorte, keiner in Deutschland). – Für die Frühgeschichte des Urheberrechts ist der ausführliche Text des königlichen Privilegs höchst interessant. Die Sonaten bestehen jeweil aus zumeist fünf Abschnitten, wobei nicht nur dies, sondern auch die vielen Tänze die enge Verwandtschaft zur Suite belegen. Ab und zu fügte Boismortier besonders charakteristische Sätze ein, wie z. B. am Schluss der 4. Sonate ein Menuet de Trompette. Da es zu jener Zeit nur Naturtrompeten gab, die nur in einer Tonart spielen konnten, taucht auch hier kein einziger chromatischer Ton auf; die 2. Flöte, die vermutlich die Trompete vertritt, spielt unablässig gebrochene D-Dur-Akkorde. – Für den modernen Spieler überraschend ist die generelle Notation im französischen Violinschlüssel.
Die ersten ‚Quatuors Concertants’BOCCHERINI, Luigi (1743–1805). Sei Quartetti Concertanti Per Due Violini, Alto é Violoncello [...] Opera XXVII. Prix. 9tt. Paris, Sieber [vor 1793]. Vollst. Stimmsatz, Stich, folio, in Papierumschlag d. Z., leichte Alterungsspuren, stellenweise etwas fleckig, sonst aber guter Zustand. Bestell-Nr.: 58/71 Preis: € 480,00 RISM B 3134. Gérard 191, 194, 192, 190, 189, 193. – Titelauflage der Erstausgabe, die (laut Lesure) um 1778 bei Sieber erschienen war; hier liegt sie in einem etwas späteren Abzug ohne Pl.-Nr. vor, doch unter Verwendung der Stichplatten der Erstauflage hergestellt, nun mit der Adressvariante chez l’Apothicaire N. 92 sowie der revolutionären Privilegerteilung A. P. D. P. (avec privilège du peuple!). Um 1793 wechselte die Verlagsadresse wiederum (vgl. Devriès/Lesure), was ein Datum ante quem für unseren Abzug ergibt. Diese 1776-78 komponierte Quartettreihe kursierte auch als op. 24 und war ursprünglich Don Luigi, Infante d’Ispagna gewidmet. Der Begriff Quartetti Concertanti taucht hier erstmals im Bereich des Streichquartetts auf, und Boccherini wird hiermit eine stilbildende Wirkung zugestanden. Das Wesentliche daran ist der Rollentausch, den die vier Streicher in der musikalischen Führung haben, womit insbesondere eine Verteilung des virtuosen Passagenwerks über alle Stimmen angestrebt wird. Hinsichtlich der Werktitel wird sich das in der weit verbreiteten Formulierung Quatuor Concertant niederschlagen. (Siehe das Standardwerk von D. L. Trimpert: Die Quatuors concertants von Giuseppe Cambini, Tutzing 1967, das bereits die Wirkungsgeschichte Boccherinis behandelt.)
BELLINI, Vincenzo (1801–1835). Einzelne Musiknummern in der Bearbeitung für Klavier zu zwei Händen (ohne Text) aus: I Capuleti ed i Montecchi o sia Romeo e Giulietta. Melodramma romantico in quattro parti und La Straniera. Melodramma tragico in due atti. Neapel, Girard, nummernweise wechselnde Pl.-Nr. [um 1835/40]. Insgesamt 130 S. Klavierauszug in Stich, quer-folio. Außerordentlich prächtiger dunkelgrüner Ldrbd. mit Goldschnitt sowie Blind- und Goldprägung. Ein Sammlerstück! An den Kanten etwas abgerieben. Bestell-Nr.: 58/72 Preis: € 180,00 Der bibliophile Band entschädigt reichlich für die heute wenig geschätzte Darbietungsform eines Klavierauszugs ohne Text, wie er damals aber weit verbreitet war. In einer Zeit, als die Musik noch nicht aus der »Konserve« kam, waren diese Auszüge ein wichtiges Hilfsmittel zum Kennenlernen neuer Stücke.
BRAHMS, Johannes (1833–1897). Variationen und Fuge über ein Thema von Händel für das Pianoforte [...] Op. 24. Leipzig, Breitkopf & Härtel, Pl.-Nr. 10448 [1862]. 23 S. in Stich, folio. Ungeheftet. Sehr schönes Exemplar. Bestell-Nr.: 58/73 Preis: € 220,00 McCorkle, S. 83. Hofmann, S. 50f. – Erstausgabe. – Am 11. Oktober 1861 schrieb Brahms an Clara Schumann, dass er diese „Variationen zu Deinem Geburtstag [13. September] gemacht“ habe. Der Komponist spielte sie erstmals am 4. November 1861 bei einer privaten Soiree, und Clara Schumann nahm sie in das Programm ihres Hamburger Konzert am 7. Dezember auf, das zugleich auch die öffentliche Uraufführung war. Beim Thema handelt es sich um eine Aria aus Händels zweitem Band der Suites de Pièces pour le clavecin, der seinerzeit (1733) schon fünf Variationen angefügt waren. Brahms schuf nun einen gewaltigen Zyklus von 25 Variationen, die er mit einer umfangreichen Fuge krönte. Das Werk gilt als eines seiner technisch anspruchsvollsten.
BRAHMS, Johannes (1833–1897). Sammelband mit Klavierkompositionen, darunter zwei Werke in Erstausgaben. Brauner HLnbd. um 1900, folio; an den Gelenken etwas schadhaft. Noten sehr gut erhalten. Die Originalumschläge sind jeweils mit eingebunden. Bestell-Nr.: 58/75 Preis: € 380,00 Inhalt: A) Variationen über ein Thema von Robert Schumann für Klavier zu vier Händen, op. 23. Leipzig, Rieter-Biedermann, V.-Nr. 270 [nach 1863], 25 S. Titelauflage, mit der hüb schen Titelseite von F. Krätzschmer, unter Verwendung der Platten des Erstausg. v. 1863. B) Variationen über ein Thema von Joseph Haydn für Klavier zu vier Händen, op. 56 (Arrangement: R. Keller). Berlin, Simrock, Pl.-Nr. 7931 [1877]. 27 S. in Stich. – Erstausgabe dieser Bearbeitung, siehe McCorkle, S. 237. C) Ungarische Tänze, Ausgabe für Klavier zu zwei Händen, 1.–4. Heft in zwei Bd. Leipzig, Edition Peters 2101a und 2101b [1882; hier nach 1897]. Insgesamt 63 S. D) Fantasien für Pianoforte [...] op. 116, 1. und 2. Heft. Berlin, Simrock, Verl.-Nr. 9874 u. 9875 [1892]. 19 + 15 S. in Flachdruck. – Erstausgabe. – McCorkle, S. 467f. Hofmann, S. 244f. (einschließlich des dort genannten Wasserzeichens). E) Drei Intermezzi für Pianoforte [...] op. 117. Berlin, Simrock, Verl.-Nr. 9876 [1892]. 15 S. in Flachdruck. – Erstausgabe. – McCorkle, S. 470. Hofmann, S. 246f. (einschließlich des dort genannten Wasserzeichens).
CHEDEVILLE, Nicolas (1705–1782). Les Danses Amuzantes. Mellées de Vaudeville Pour la Muzette, Vielle, Flute Traversiere, Hautbois, et Violon. Dediées a Mademoiselle Paris De la Montagne [...] Gravées par M.me Leclair. Oeuvre IVe. Paris, L’auteur/Boivin/Leclerc [1733]. 2 Bll. (Titel, Widmung), 24 S. Partitur, Stich, 1 Bl. Druckprivileg, folio. Hübscher brauner HLdrbd. mit Marmorpapierbezug und Rückenbeschriftung in Goldprägung (vermutl. Mitte 19. Jh.). Druckerschwärze gering durchscheinend, insgesamt jedoch ausgezeichnet erhalten. Bestell-Nr.: 58/77 Preis: € 680,00 RISM C 1994 (5 Fundorte, nicht in Deutschland); Lesure, S. 117; BUC, S. 185. – Die Musik ist in Akkoladen zu zwei Systemen wiedergegeben (jeweils frz. Violinschlüssel). Les Danses Amuzantes befinden sich auf S. 1 und bestehen aus sechs kurzen Nummern. Es folgen zahlreiche Tanzsätze, die in sechs Suiten zusammengefasst sind. – Unser besonders schöner Druck kommt aus der Werkstatt der berühmten Stecherin Madame Leclair, der Frau des berühmten Geigers. Diese Sammlung stammt aus der Frühzeit der bis um 1745 anhaltenden Blütezeit der galant-ländlichen Mode höfischen Schalmei-, Dudelsack- und Radleierspiels, was jedoch schon damals eine Form der Flucht des Adels vor der gesellschaftlichen Wirklichkeit außerhalb der gepflegten bukolischen Scheinwelt war. Vor allem die Mitglieder der Familie Chédeville entwickelten die Praxis jener ursprünglich volkstümlichen Instrumente zu hoher Virtuosität, womit sie das Publikum des Hofes zu Versailles viele Jahre entzückten.
Die Muster der barocken Violin-Sonate....CORELLI, Arcangelo (1653–1713). XII Sonata‘s or Solo’s for a Violin a Bass Violin or Harpsichord. Compos’d by Arcangelo Corelli. His fifth Opera. London, Walsh, Pl.-Nr. 369 [nach 1730]. 2 Bll. (Frontispiz, Titel), 92 S. Partitur in Stich, folio. Prächtiger blauer und dezent marmorierter, »historisierender« HLdrbd. mit Ledertitelschild (Goldprägung), vermutlich in der 2. H. d. 20. Jh. angefertigt. Notenteil wie Einband ausgezeichnet erhalten. Bestell-Nr.: 58/78 Preis: € 380,00 RISM C 3818. BUC, S. 220. Marx, S. 181 (Nr. 24). – Eine der erfolgreichsten Sonaten-Publikationen der Musikgeschichte, die alleine im 18. Jahrhundert mindestens 44 Mal gedruckt worden ist – ganz zu schweigen von den Ausgaben meist prominenter Herausgeber im 19. und 20. Jahrhundert. Diese Sammlung, an deren Abschluss die unverwüstliche Follia steht, verkörpert die Erfolgsgeschichte der Violine an ihrem ersten legendären Höhepunkt, den das Auftreten Corellis markiert. Unsere Ausgabe ist offensichtlich von den Platten der englischen Erstausgabe hergestellt; auf der Titelseite sind Tilgungen beim Impressum erkennbar (ursprünglich: Walsh & Hare; letzterer war bis 1730 mit Walsh assoziiert). Das Frontispiz enthält das berühmte, höchst plastische Brustbild Corellis, das mit H. Howard pinx. -W. Sherwin sculp.t bezeichnet ist. Die Ausgabe empfahl sich auf der Titelseite durch folgenden Hinweis: This Edition has ye advantage of haveing ye Graces to all ye Adagio’s and other places where the Autor thougt proper by Arcangelo Corelli. Vor der siebten Sonate wurde auf S. 62 die Titelseite zum 2. Teil eingefügt: The Second Part. Containing Preludes, Allemands, Corants, Jiggs, Sarabands, Gavots, & ye Follia. – Meistens sind die Stücke in Akkoladen zu 2 Systemen notiert: Violine / bezifferter Generalbass. Ab und zu wird dies auf 3 Systeme erweitert – dann liegen entweder imitatorische Abschnitte vor, oder das Cembalo hat konzertante Passagen auszuführen.
... und die Muster des barocken Concerto Grosso CORELLI, Arcangelo (1653–1713). Concerti Grossi Con duoi Violini, e Violoncello di Concertino obligati, e duoi altri Violini, Viola, e Basso di Concerto Grosso, ad arbitrio, che si potranno radoppiare [...] Opera Sesta. XII Great Concertos, or Sonatas for two Violins and a Violoncello or for two Violins more, a Tenor, and a Thorough-Bass, which may be doubled at Pleasure, being the Sixth and last work. London, Walsh, Pl.-Nr. 370 [ca. 1731]. Vollständiger Stimmsatz in Stich, folio, jede Stimme jeweils mit unpaginiertem Titelblatt: Concertino – Vl.1 (34 S.), Vl.2 (33 S.), Vc. mit Gb-Bezifferung (34 S.); Concerto grosso – Vl.1 (27 S.), Vl.2 (27 S.), Va. (27 S.), Vc. mit Gb-Bezifferung (27 S.). Alle Stimmen von gleicher, guter Qualität (Titelseite bestaubt; Papier etwas gebräunt). Bestell-Nr.: 58/79 Preis: € 350,00 RISM C 3847. Marx, S. 202 (Nr. 5). – Bereits ein Jahr nach der ersten, bei Roger in Amsterdam erschienenen Ausgabe kam 1715 bei Walsh & Hare der erste englische Druck heraus. Nach dem Ausscheiden Hares aus dem gemeinsamen Geschäft (1730) sind alle diesbezüglichen Bestandteile des Impressums gelöscht und dafür die Pl.-Nr. angebracht worden. Vor dem 9. Concerto grosso wurde eine weitere Titelseite eingefügt: Preludii, Allemande, Gighe, Corrente, Sarabande, Gavotte e Minuetti. Parte Seconda per Camera. Auch die Concerti grossi Corellis gehören zu den musikalischen best sellern des 18. Jahrhunderts und demonstrieren die stilbildende Funktion ihres Autors zu jener Zeit.
DEBUSSY, Claude (1862–1918). Le Martyre de Saint Sébastien. Mystère en cinq actes de Gabriele d’Annunzio… Paris, A. Durand & Fils, Verl.-Nr. D. & F. 8171, Copyright 1911-1914. 3 Bll. (Titel, Angaben zur Uraufführung, Inhalt) und 104 S. Klavierauszug (frz./engl.) von André Caplet, folio. Zeitgenöss. HLnbd. mit eingebundenem OUmschlag. Ausgezeichnet erhaltenes Exemplar aus dem Besitz des französischen Philosophen und Musikschriftstellers Vladimir Jankélévitch (1903-1985) mit dessen Signatur auf dem Titelblatt. Bestell-Nr.: 58/82 Preis: € 280,00 Lesure, Nr. 124; MGG/2 Bd. V, 591. – Erstausgabe der endgültigen Fassung von 1914, in der kleinere Kürzungen im Verhältnis zu der nur ein einziges Mal gespielten Fassung der Uraufführung vom 22. Mai 1911 vorgenommen worden waren. D’Annunzio hatte 1910 den Text für die Tänzerin Ida Rubinstein geschrieben, die hier als androgyne Gestalt die Titelfigur verkörperte. Es handelt sich bei Debussys Komposition nicht um eine durchgehende Vertonung, sondern um eine Reihe mehr oder weniger langer Musikstücke, die bei einer Gesamtaufführung eher die Funktion einer Schauspielmusik besitzen (ab 1914 plante Debussy eine Ausarbeitung zu einer Oper, die aber nie wirklich begonnen worden ist). In der vorliegenden Form handelt es sich zum einen um die Verschmelzung von Ballett und Drama mit Chören und Rezitanten – deshalb gilt Le Martyre de Saint-Sébastien als Vorläufer späterer Werke, die gleichfalls verschiedene Formen mischen (z. B. Oedipus Rex von Strawinsky oder Milhauds ebenfalls für I. Rubinstein verfasstes Christoph Colombe). Zum andern findet hier eine enge Durchdringung christlicher Sakralmusik mit orientalischen Elementen statt. – Der Bearbeiter des Klavierauszugs, André Caplet (1878–1925), war auch an der Orchestrierung beteiligt – eine Tätigkeit, die er bei La boîte à joujoux ebenfalls übernommen hat. Er leitete auch die Uraufführung. – Vladimir Jankélévitch lehrte zuletzt Moralphilosophie an der Sorbonne und in Brüssel (Hauptwerk: Traité des vertus, 3 Bde, 1949); zur Musikgeschichte schrieb er Standardwerke u. a. über Debussy (3 Bücher), Fauré, Ravel, Chopin, Satie und Liszt.
DEBUSSY, Claude (1862–1918). La Boîte à Joujoux. Ballet pour enfants par André Hellé. Paris, Durand, Verl.-Nr. D. & F. 8935, 1913. 5 Bll. (Titel, Inhaltsangabe, Personenverzeichnis, Inhalt), 48 S. Klavierauszug mit 16 dazwischen geschalteten ungezählten, einseitig bedruckten Blättern mit den formatfüllenden Farbillustrationen von Hellé; quer-folio. OBrosch. Sehr gutes Expl., die Bilder mit intensiven Farben. Bestell-Nr.: 58/83 Preis: € 350,00 Lesure, Nr. 128. – Originalausgabe in einem etwas späteren Abzug. – Das Ballet kam auf Anregung von Hellé zustande. Debussy komponierte die Musik zwischen Juli und Oktober 1913, worauf im Dezember d. J. die vorliegende Klavierfassung herauskam. Die Orchestrierung hat Debussy noch selbst begonnen, doch wurde sie erst nach seinem Tod von André Caplet vervollständigt und 1920 in Partitur veröffentlicht. Die posthume Uraufführung fand am 10. Dezember 1919 im Théâtre lyrique du Vaudeville statt. – Mit seinem unverwechselbaren Idiom zeichnet Debussy beispielsweise im 2. Bild (Le Champ de Bataille) eine Schlacht nach und lässt – allerdings ironisch gebrochen – die alte Tradition der Instrumentalbattaglien aufleben.
Ein Kriegsbeitrag Debussys 191584a) DEBUSSY, Claude. Berceuse Héroïque pour rendre Hommage à S. M. le Roi Albert Ier de Belgique et à ses Soldats. Piano à 2 mains. Paris, Durand, Verl.-Nr. D. & F. 9317, 1915. 4 S. im Doppelbogen und einem weiteren Umschlagdoppelblatt, groß-folio. Titelseite leicht bestaubt, unbedeutende Randeinrisse, leicht knittrig. Auf dem Titelblatt mit autographer Widmung: „Claude Debussy, Paris, Nov. 1917“. Lesure, Nr. 132. – Erste Einzelausgabe. – Widmungsträger ist der belgische König Albert I. (1875-1934), dessen Land – obwohl neutral – zu Beginn des I. Weltkrieges von deutschen Truppen besetzt worden war. Die Komposition gehört zu zahlreichen Werken Debussys, in denen er seine patriotische Gesinnung dokumentierte. Ursprünglich war das Stück für eine Huldigungsgabe (zugleich eine Solidaritätsadresse) an den belgischen König entstanden, dessen Erstausgabe hier beigefügt ist: 84b) KING ALBERT’S BOOK. A Tribute to the Belgian King and People from Representative Men and Women Throughout the World. [London], The Daily Telegraph in Conjunction with […] Hodder and Stoughton [1914]. Frontispiz: Albert I. in Paradeuniform; 187 S., zahlreiche, meist farbige Illustrationen auf zusätzlichen Kunstdrucktafeln, klein-folio. Leinenband mit hübschem Dekor in Prägedruck, geringe Alterungsspuren, doch schöner repräsentativer Band. Beeindruckendes Dokument der Solidarität mit Belgien; als Huldigungsgabe des frankoangelsächsischen Europas an den belgischen König entstanden: Schriftsteller, Maler, Komponisten, Wissenschaftler, Politiker, Kirchenmänner und Miltärs steuerten jeder in ganz eigener Weise einen Beitrag bei. Unter den rund 250 Autoren befinden sich u. a. Winston Churchill, Walter Crane, Rudyard Kipling, Maurice Maeterlinck, Claude Monet und Fridtjof Nansen. Neben Textbeiträgen (darunter auch Gedichte) enthält der Band zahlreiche (z. T. propagandistische) Gemälde (siehe z. B. nach S. 120) und Kompositionen von: 84c). DEBUSSY(1862–1918): Berceuse Héroïque (f. Klavier). S. 147-49 (hier Erstausgabe). E. ELGAR (1857–1934):Carillon ‘Chantons, Belges, Chantons!’ (Kl.-Auszug). S.84–91. Pietro MASCAGNI (1863–1945): Sunt lacrymæ rerum! (Klavierstück). S. 167. André MESSAGER (1853–1929): Pour la Patrie (Lied nach V. Hugo). S. 41f. Ethel SMYTH (1858–1944): The March of the Women (Klavier). S. 67. – Ferner Kompositionen von J.BACKER-LUNDE (1874–1958), F.H.COWEN (1852-1935), E.GERMAN (1862–1936), P.E.LANGE-MÜLLER (1850–1926), Liza LEHMANN (1862-1918) und Charles Villiers STANFORD (1852–1924). – Von Ignace PADEREW SKY (1860–1941) und Camille SAINT-SÄNS (1835–1921) sind Textbeiträge enthalten (S. 133 bzw. 128). Bestell-Nr.: 58/84 Konvolutpreis: € 1.800,00
DEBUSSY, Claude (1862–1918). Six Sonates pour divers instruments. [...] La Trosième pour Violon et Piano. Paris, Durand, Verl.-Nr. D. & F. 9504, 1917. Stimmen: Klavier (1 Bl. – Titel, 23 S.) und Violine (8 S.), folio; in zwei gleichartigen HLnbden mit hübschem Buntpapierbezug (sowohl äußerer Bezug, als auch Spiegel mit Vorsatzbl.). Außen etwas bestaubt; Notenteil sehr gut. Bestell-Nr.: 58/85 Preis: € 180,00 Lesure, Nr. 140 (vorletztes Werk des WV). – Erstausgabe, auf kriegsbedingt etwas brüchigem Papier. – Das Werk ist um die Wende des dritten zum vierten Kriegsjahr entstanden, und in der patriotische Ergänzung des Komponistennamens Musicien Français auf der Titelseite, die sicher auf Debussys Veranlassung eingefügt worden ist, schlägt sich diese grauenhafte Zeit nieder. Für die sechsteilige Sonaten-Serie entwarf D. Longprez ein Titelblatt im Stil der Rameau-Erstausgaben, was ebenfalls als Ausdruck nationaler Rückwendung zu verstehen ist. Von dieser Serie wurden neben der vorliegenden jedoch nur noch zwei fertig gestellt: Nr. 1 für Violoncello und Klavier, Nr. 2 für Flöte, Viola und Harfe. Von den übrigen Sonaten (für Oboe, Horn und Cembalo bzw. Klarinette, Fagott, Trompete und Klavier sowie eine Sonate en forme de concert für Klavier mit einem Instrumental-ensemble) sind nur Skizzen überliefert. Das ganze Sammelwerk war seiner zweiten Frau gewidmet (auf der Rückseite der Titelseite): Les Six Sonates pour divers instruments sont offertes en hommage à Emma-Claude Debussy (p. m.). Son mari Claude Debussy. – Die Violinsonate wurde am 5. Mai 1917 in Paris uraufgeführt; den Violinpart spielte Gaston Poulet und am Klavier begleitete der Komponist – es sollte zugleich sein letzter öffentlicher Auftritt werden, bevor er am 25. März 1918 einem Krebsleiden erlag.
Konkurrenz für Wagner: Widmungsexemplar der ‚NIBELUNGEN’ von Heinrich Dorn an Großherzog Karl Alexander von Sachsen-WeimarDORN, Heinrich (1800–1892). Die Nibelungen. Große Oper in 5 Acten von E.[duard] Gerber [...] 73stes Werk. Berlin, Bote & Bock, Pl.-Nr. B.&B. 3100 [1854]. 3 Bll. (Titel, Widmung, Dramatis personae, Inhalt), 170 S. Klavierauszug in Stich, imperial-folio (43×34cm). Prächtiges Widmungsexemplar für Karl Alexander, Großherzog von Sachsen-Weimar, dem Kenner und Beschützer deutscher Kunst (mit dessen Besitzstempel auf der Titelseite). Dunkelvioletter Lederband mit großzügiger Gold- und Blindprägung auf dem vorderen Buchdeckel (Krone, Titel), Goldschnitt; breitrandiger Sonderdruck auf bestem Papier. Bestell-Nr.: 58/86 Preis: € 850,00 Das Libretto beruht auf der Tragödie Der Nibelungen-Hort von Ernst Raupach aus dem Jahr 1828. Stoffgeschichtlich liegt hier ein hoch interessantes Dokument vor, beweist es doch, dass die germanische Sagenwelt seinerzeit gewissermaßen »in der Luft« lag, insbesondere seit den zahlreichen Neuausgaben des mittelalterlichen Nibelungenlieds, bis sich schließlich 1862 noch Friedrich Hebbel mit seinen (indes anders gearteten) Nibelungen zu Wort meldete. Unabhängig von Dorns Oper, doch fast gleichzeitig, entstand Wagners Dichtung, die noch 1853, nur einen Monat nach Dorns Librettodruck veröffentlicht worden ist. Trotz deutlicher Abweichungen von Wagners Dramaturgie teilt Dorns Werk mit ihr den klar vernehmbaren nationalistischen Ton, der sich in der Gegenüberstellung von Germanischem (Brunhild, Günther, Siegfried) und Fremd-Ungermanischem (Etzel, die Hunnen) äußert. Diese Art von politischem Drama hatte bereits 1844 Friedrich Theodor von Vischer gefordert, wobei er schon damals die Nibelungen als Stoff eines Nationaldramas empfahl, konnte doch der Drache als das hauptsächliche duodezfürstliche Hindernis nationaler Einheit interpretiert werden. - Dorn orientierte sich bei der Vertonung mit der strikten Gliederung in Gesangsnummern an der großen Oper Meyerbeers und bringt auch etliche Lohengrin-Anklänge ins Spiel. Mit dem häufigen Rückfall in Männerchor- und Liedertafelstil benimmt er sich jedoch der Möglichkeit einer durchschlagenden Dramatik. Das Auftrittslied der Burgunder (»Vom Rhein, vom deutschen Rhein«) erlangte als Einzelstück indes große Popularität. Die Uraufführung fand am 22. Januar 1854 in Weimar unter der Leitung von Franz Liszt statt. Einige (z. T. durchaus große) Bühnen im deutschsprachigen Raum spielten das Stück rasch nach, und man lobte allgemein die nationale Erhabenheit des Stoffes, doch vermochte dies nicht, das Stück auf Dauer vor dem Verschwinden im Notenfundus der Bibliotheken zu bewahren. - Der Widmungsträger, Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar, gehörte zu den bedeutendsten Mäzenen des 19. Jahrhunderts, wusste er doch, mit den bescheidenen Mitteln seines Duodezfürstentums ein Kunstzentrum zu schaffen, das in der Leitfigur Franz Liszt eine einzigartige Ausstrahlung entfaltete und die größten Künstler der Epoche in Scharen anzog.
DRESSLER, Gallus (1533– zw. 1580/89). Opus Sacrarum Cantionum, quatuor, quinque et plurum vocum, nunc denuo recognitum, et multò quàm antea correctius in gratiam Musicorum editum. Nürnberg, Gerlach, Berg & Kirchner, 1577. Stimmheft Discantus: 72 Bll. in Typendruck, quer-4to. Nachgefertigter schlichter Pappbd. (braun; 2. H. 20. Jh.). Sehr gut erhalten. Bestell-Nr.: 58/87 Preis: € 1.200,00 RISM D 3522. – 1570 waren Dresslers XC Cantiones quatuor, quinque et plurium vocum bei Kirchner in Magdeburg erstmals erschienen (RISM 3520). Eine im Umfang etwas reduzierte Teilausgabe mit 78 Cantiones kam 1574 in Nürnberg bei Gerlach & Kirchner heraus (RISM D 3521), hat sich aber offenbar so gut verkauft, dass schon 1577 der vorliegende Neudruck mit ebenfalls 78 Nummern erforderlich wurde. Er besteht aus 37 vierstimmigen, 38 fünfstimmigen und zwei sechstimmigen Motetten, zu denen noch ein achtstimmiges Werk hinzu kommt. Für die wechselnde Besetzung wurden fünf Stimmbücher hergestellt (S, A, T, B, vagans). Eine letzte zeitgenöss. Ausgabe folgte 1585 (RISM D 3523).
DRESSLER, Gallus (1533– zw. 1580/89). Außerlesene Teutsche Lieder mit vier und fünff Stimmen gantz lieblich zu singen und auff allerley Instrument zugebrauchen. Nürnberg, Gerlach, Berg & Kirchner, 1580. Stimmheft Discantus: 32 Bll. in Typendruck, quer-4to, Pappbd. Sehr gut erhalten. Bestell-Nr.: 58/88 Preis: € 900,00 RISM D 3527. – 2. Auflage des zuerst 1575 bei Gerlach & Kirchner in Nürnberg erschienenen Drucks. Der Komponist wird auf der Titelseite als der Christlichen Schulen zu Magdeburg Cantore bezeichnet.
DUSSEK, Johann Ladislaus (1760–1812). Petits Airs connûs variés Pour Clavecin ou Le Forte-Piano [...] Œuvre VIe. Prix 7tt 10s. Paris, Nadermann / Le Menu, Pl.-Nr. 913 [1790]. 1 Bl. (Titel), 23 S. in Stich, folio. Fadengeheftet. Druckbild insgesamt etwas blass, stellenweise unscharf. Bestell-Nr.: 58/89 Preis: € 145,00 Nicht in RISM (dort sind zwar neun Drucke, aber mit anderem Impressum nachgewiesen; vgl. D 4328–4335). – Dusseks op. 6 muss sehr beliebt gewesen sein, da nicht nur mehrere Ausgaben in Frankreich, sondern auch in Deutschland und England bekannt sind. Darüber hinaus wurden auch einzelne Teile daraus veröffentlicht (s. RISM D 4336–4341). – Es han-delt sich um sechs kleine Variationszyklen (jeweils Thema mit drei bis fünf Variationen), für die vorwiegend bekannte Opernmelodien verwendet worden sind (z. B. stammen zwei Themen aus der 1783 uraufgeführten Musikkomödie Blaise et Babet von Nicolas Dezède). Die nicht besonders schwierigen Stücke waren sicher für ein größeres Publikum bestimmt, wobei die Popularität der zugrunde liegenden Themen den Verkauf fördern sollten.
HAYDN, Joseph (1732-1809). Trois Quatuors pour deux Violons Alto et Violoncelle Composés et dediés a Son Excellence Monsieur le Comte Joseph Erdödy…. Œuvre [ms:] 76. Wien, Artaria, Pl.-Nr. 837 [1799]. Vollständiger Stimmsatz in Stich, 19, 17, 18, 17 S. folio, Titelblatt mit außerordentlich dekorativem Rahmen und Haydns Porträt-Medaillon. Bestell-Nr.: 58/90 Preis: € 2.300,00 Hob. III 78-80 (Bd. I, S. 431); RISM H 3574; Coll. Hoboken Bd. 7 Nr. 647. – Wiener Originalausgabe (angezeigt am 7. 12. 1799), gleichzeitig die Erstausgabe überhaupt, da die Londoner (von Haydn ohnehin nicht beaufsichtigte) Erstausgabe erst vier Monate später am 25. April 1800 angezeigt worden ist. Einer der schönsten Drucke Haydnscher Kammermusik. Das erste Quartett trägt den Namen „Sunrise“ oder „aurore“, während sich in deutschen Landen der „Sonnenaufgang“ nicht eingebürgert hat. Eigentlich hätte diese Artaria-Ausgabe nach der Londoner erscheinen sollen, da Haydn befürchtete, er müsse aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung mit dem Londoner Verlagsagenten Hyde eine Abstandszahlung leisten. Artaria hat sich jedoch nicht an Haydns Forderung vom 15. Juli 1799 gehalten. Diese Quartette sind bereits 1797 entstanden; der Widmungsträger, Graf Erdödy, hatte Haydn 100 Dukaten bezahlt mit der Auflage, auf zwei Jahre einziger „Besitzer“ des Sammelwerks zu sein, weshalb sie erst 1799 publiziert werden durften. Diese Quartette zählen zu den vollendetsten im Repertoire der Klassik.
HAYDN, Joseph. Trois Quatuors [B, D, Es] pour Deux Violons, Alto et Violoncello [...] Dediés a Mons.r Le Comte Antoine d’Appony [Oeuvre [hs.: 73]. Wien: Artaria, Pl.-Nr. 601, [1795]. Stimmen in Stich, folio: Vl.1 (19 S.), Vl.2 (19 S.), Va. (15 S.), Vc. (13 S.). Teilweise 1. und letztes, teilweise nur 1. Blatt gelöst (ohne Folgeschäden). Deutliche Benutzungsspuren in Vl.1 (Bleistift, Rotstift: Bögen, Strichangaben); sonst wenig Gebrauchsspuren. Alle Expl. auf der 1. S. jeweils Besitzstempel von Alex. Zellner k. k. Capellmeister 58. I. R. bzw. der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (ein weiterer getilgter Stempel). Bestell-Nr.: 58/91 Preis: € 800,00 Hob. III:69–71 (erste Hälfte der »Appony-Quartette«). RISM H 3546 bzw. 3547. – Die Musikalien sind am 21. Oktober 1795 in der Wiener Zeitung angezeigt worden (nur sieben Tage nach einer Annonce der Londoner Corri & Dussek-Ausgabe). Beiden Drucken kommt somit die Qualität der Erstausgabe zu. – Leopold Alexander Zellner (1823–1894), der sich hier als Kapellmeister des 58. Infanterieregiments bezeichnet, war seit 1868 Generalsekretär der Gesellschaft der Musikfreunde; vermutlich kamen die Noten (vielleicht nach dessen Tod?) vorübergehend in den Besitz dieser Institution.
HAYDN, Joseph. Die Worte des Erlœsers am Kreuze. Leipzig, Breitkopf & Härtel, [1801]. 2 Bll. (Titel, Vorbericht), 68 S. dt./ital. Klavierauszug in Typendruck, folio, Pappband. d. Z. mit aufgezogenem OUmschlag; Gebrauchsspuren; Titel stockfleckig, sonst gut erhaltener Notenteil. Bestell-Nr.: 58/93 Preis: € 340,00 RISM H 4622; Hob. XX:1. – Erstausgabe. – In seinem auf Wien, im März 1801 datierten Vorbericht informiert Haydn über die lange Entstehungsgeschichte des Werkes. Besonders wichtig sind dabei zwei Aspekte: „Die Musik war ursprünglich ohne Text, und in dieser Gestalt ist sie auch gedruckt worden“ (es existieren auch Fassungen für Orchester und für Streichquartett). Auf das besondere ästhetische Problem der Komposition geht Haydn ebenfalls ein: „Die Aufgabe, sieben Adagio’s wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leichtesten.“ Gerade Haydns beeindruckende und eben niemals ‚ermüdende’ Lösung belegt ein weiteres Mal seine ungewöhnliche schöpferische Fantasie. – Heute ist das Werk, das zu den bewegendsten Zeugnissen der Musik gehört, unter dem Titel Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuze bekannt, obwohl ein geschlossener Corpus von ‚Sieben Worten’ in der Bibel gar nicht überliefert ist – der Text wurde aus den verschiedenen Evangelien zusammengestellt. Den meisten Stücken ist eines dieser ‚Worte’ als konsequent homophon vertonter Chorsatz a cappella vorangestellt, worauf dann Soli und Chor mit Orchesterbegleitung die dazu gehörenden Kommentare (Betrachtungen) vortragen. Die Textvorlage dazu geht auf einen Domherrn aus Passau zurück – vermutlich Joseph Friebert; Haydn stellte daraus in Zusammenarbeit mit Gottfried van Swieten seine eigene Fassung her. Den einzigen raschen Satz – zugleich ein Seitenstück zu Haydns La Tempesta (Hob. XXIVa:8) – bildet am Schluss Il Terremoto, das ‚Erdbeben’ (Presto e con tutta la forza), dessen Text aus Der Tod Jesu von K. W. Ramler stammt.
HAYDN, Joseph. Differentes petites Pieces faciles et agreables pour le Clavecin ou Piano Forte [...] Oeuvre 46. Wien, Artaria, Pl.-Nr. 86 [1786]. 15 S. in Stich, quer-folio, Titelblatt mit sehr schönem Medaillon, gestochen von Wiens damaligem Star-Graveur Sebastian Mansfeld; kleine Ausbesserungen, sonst sehr gut erhalten. Bestell-Nr.: 58/94 Preis: € 680,00 Hob. XVII Anh., S. 799; RISM H 4300 (6 Expl., keines in D). – Sehr attraktive Sammlung (1801 von Cappi übernommen), die drei Haydn-Erstdrucke enthält. – Auch wenn man heutzutage v. a. die Aufführung von Originalwerken vorzieht, so stellt gerade ein solches Heft aus zwei Gründen ein informatives Dokument seiner Zeit dar: Zum einen verleiht das fein gearbeitete Medaillon auf der Titelseite dem Druck einen ästhetischen und ikonographischen Wert sui generis: Abgebildet ist eine vornehme Dame in der prächtigen Kleidertracht jener Zeit; sie sitzt spielend am Cembalo. Zum anderen dokumentieren die Stücke den Bedarf für das Musizieren im privaten Kreis. – Die Sammlung besteht bis auf eine Ausnahme aus Arrangements von größeren Werken. Um dem Publikum besonders entgegenzukommen, wurden fast nur langsame Stücke ausgewählt, die obendrein auf ein hausmusikalisches Maß gekürzt wurden. 1) Sinfonie I:85, 2. Satz; 2) La vera Costanza XXVIII:8 Nr. 6, Arie d. Lisetta (= Erstausgabe); 3) Sinfonie I:79, 2. Satz; 4) und 5) Sinfonie I:85 La Reine, 2. und 3. Satz; 6) Ouvertüre Ia:15 Ouvertüre zu La vera Costanza (= Erste Ausgabe für Klavier), 2. Satz; 7) Klavierstück XVII:9 (zugleich einzige Originalkomposition, = Erstausgabe); 8) La vera Costanza XXVII:8 Nr. 1b (Introduzione); 9) Sinfonie I:53 L’Impériale, 2. Satz; 10) Streichquartett III:41, 4. Satz. – Ein besonders charmanter Musikdruck.
HILLER, Ferdinand (1811–1885). Saul. Oratorium, gedichtet von Moritz Hartmann [...] Op. 80. Leipzig, Kistner, Pl.-Nr. 2360 [1859]. 1 Bl. (Titel, Anmerkungen Hillers), 465 S. Partitur in Stich (davon S. 1–4 Libretto in Buchdruck, das gelegentlich vom vertonten Text abweicht), folio. Zeitgenössischer Prachtband: Schwarzer HLdrbd. mit (späterem) grünem, goldgeprägten Rückenschild, marmoriertem Schnitt; getilgter Stempel sowie hs. Signatur- u. Besitzvermerk auf der Titelseite, sonst hervorragend erhalten. Bestell-Nr.: 58/95 Preis: € 580,00 Äußerst seltene Erstausgabe der Partitur, deren Existenz der Lexikographie bisher entgangen zu sein scheint: MGG/2 Bd. VIII, Sp. 1584 nennt nur den 1858 erschienenen Klavierauszug. – Laut dem Uraufführungshinweis auf der Titelseite wurde Saul erstmal auf dem 36. Niederrheinischen Musikfest zu Cöln am 3. May 1858 aufgeführt. In seinen Anmerkungen teilt Hiller einige aufführungspraktische Details mit (u. a. mögliche kürzere oder längere Pausen zwischen einigen Musiknummern, Besetzungsfragen v. a. zum Männerchor sowie die Mahnung: Die allerdings sehr kleine Parthie des Jonathan aber verlangt einen besonders aufopferungsfähigen Tenoristen). – Hiller hat ein insgesamt sehr umfangreiches Werk hinterlassen (die Zählung reicht bis op. 207), in dem die Kirchenmusik durch Chöre, Kantaten und zwei Oratorien vertreten ist (neben dem vorliegenden noch Die Zerstörung Jerusalems op. 24, 1840). Doch Hillers Produktivität ist schon zu Lebzeiten recht kritisch bewertet worden: „Diese grosse Menge Compositionen ist von sehr ungleichem Werthe“, heißt es 1875 bei Mendel; „neben Arbeiten voll genialer Inspiration und formaler Vollendung stehen unvermittelt andere, welche dem sorglosesten Dahinwerfen ihr Dasein verdanken“. Robert Schumann urteilte viel gnädiger; er lobte in Hillers oratorischen Beiträgen seine „machtvoll hingestellten Chorbilder“ und sah den Autor mit Mendelssohn „im Bündniß gegen eine gewisse Classe von Handwerksmusikern“. Im Abstand der Zeit kann man auch sagen, Saul sei „mit seinen geschlossenen Szenen eher eine geistliche Oper“ (MGG/2). – In jedem Fall gehört Hiller zu den prägenden Gestalten romantischer Musikkultur; sein Einfluss auch auf das organisatorische Kunstleben war – auch durch seine grenzenlose Hilfsbereitschaft – besonders nachhaltig.
HINDEMITH, Paul (1895–1963). Quartett. 2 Violinen, Viola, Violoncello. Opus 16 (C-Dur). Mainz, Schott, Verl.-Nr. 30761, © 1922. Stimmen, folio (jew. zuerst 1 Bl. – Titel): Vl.1 (19 S.), Vl.2 (21 S.), Va. (21 S.), Vc. (20 S.), im OUmschl. einliegend (am Falz etw. schadhaft). Insgesamt sehr gutes Exemplar. Bestell-Nr.: 58/96 Preis: € 150,00 Originalausgabe, offensichtlich im ersten Abzug (Anzeigen nur bis op. 16). – Es handelt sich um Hindemiths 3. Streichquartett (I: op. 2, 1915, II: op. 10, 1918), das 1920 ursprünglich für einen Wettbewerb in Pittsburg komponiert worden war, dessen Uraufführung aber am 1. August 1921 – vom Amar-Quartett (mit Hindemith als Bratscher) gespielt – in Donaueschingen stattfand. Das dreisätzige Werk gehört zu den wichtigen Beispielen der ‚wilden’ Jahre Hindemiths, worin viele motorische Elemente eine enorme Vitalität, aber auch große agogische Kontraste entwickeln.
HINDEMITH, Paul. Tanzstücke für Klavier [...] Opus 19. Mainz, Schott, Verl.-Nr. 32189 (Edition Schott Nr. 1418), © 1928. 22 S., folio., geklammert, mit Orig.-Umsch., schwach gebräunt, doch insgesamt gutes Exemplar. Bestell-Nr.: 58/97 Preis: € 120,00 Originalausgabe, offensichtlich frühester Abzug (die Klaviermusik II. Teil von 1927 ist in der Umschlags-Annonce noch nicht erwähnt). Die verhältnismäßig wenig bekannten Tanzstücke, die, obleich schon 1920 komponiert, erst 1928 publiziert wurden, setzen sich aus drei Einzelsätzen zusammen, denen als 4. Teil eine ihrerseits aus fünf Sätzen bestehende Pantomime folgt (jedoch ohne Hinweise zu einer Handlung). Auch in dieser Suite dokumentiert sich Hindemiths ‚wilder’ (weitgehend atonaler) Stil, der nicht davor zurückschreckt, in motorischen Passagen das Klavier quasi als Schlaginstrument zu traktieren. Der Reger-Schüler und Pianist Paul Aron spielte die Uraufführung am 22. September 1924 in Dresden. Der 3. Satz, Mäßig schnell, soll (laut Werkverzeichnis von G. Schubert) Ottmar Gerster gewidmet sein (was in den Noten aber nicht erwähnt ist).
Privat-Druck eines modernen Wunderkinds KORNGOLD, Erich Wolfgang (1897–1957). Sonate [d-moll] für Klavier [...] Als Manuskript gedruckt. Ohne Verlagsangabe (Herstellung bei der renommierten Notenoffizin R. v. Waldheim-Jos. Eberle & Co.; Kennung des Drucks: E.W.K.2) [1909]. 19 S., geklammert m. OUmschlag; leichte Lagerungsspuren, sonst aber sehr gut erhalten (offenbar ungespielt). Bestell-Nr.: 58/99 Preis: € 450,00 Das zweite gedruckte Werk aus Korngolds ‚Juvenilia’, worauf die Nummer der Verlags-Kennung hinweist (vorausgegangen sind die Klavierstücke Don Quixote). In einer kurzen, Wien, Dezember 1909 datierten Vorbemerkung heißt es dazu erklärend: „DieseKlaviersonate wird mit der Bestimmung, nicht in die Öffentlichkeit zu gelangen, sondern nur privat in numerierten Exemplaren an Musiker und Musikkennern mitgeteilt zu werden, ausschließlich zum Zwecke einer Feststellung in Druck gelegt: Sie ist von einem Knaben zum Teil mit elf, zum Teil mit zwölf Jahren komponiert.“ Das vorliegende Exemplar ist allerdings nicht – wie in der Vorbemerkung angekündigt – nummeriert worden. Die dreisätzige Sonate weist den für die Zeit typischen ‚dicken’ Klaviersatz auf, in dem bereits alle tonalen Bindungen in Frage gestellt werden. Besonders auffallend ist der 3. Satz (Finale), der aus einer Folge von zwanzig Variationen über eine siebentaktige, harmonisch ausgefallene Akkordfolge besteht. Dieses Thema weist am Schluss die Initialen A.v.Z. auf – der zuverlässige Hinweis für die Eingeweihten, das es von Korngolds Lehrer, Alexander von Zemlinsky, stammt. Obwohl das Stück für das breite Publikum keine Rolle spielte, kam Korngolds früheste Sonate, die als op. 2 in einem regulären Verlag erschien (Mainz: Schott), mit der Nummerierung 2 heraus.
LALO, Edouard (1823–1892): Le Roi d’Ys. Opéra en trois actes. Paris, Hartmann, Pl.-Nr. G.H.& Cie 1743 [1888]; unser Expl. aber auf der 1. Partiturseite mit gestrichener Pl.-Nr. und bereits als neue Ausgabe (Paris, Heugel, Pl.-Nr. H. et Cie 9761) kenntlich gemacht [ca. 1890]. 428 S. Partitur in Stich, folio. Schwarzer Lnbd.; Exemplar aus Theaterbestand mit unzähligen aufführungstechnischen Eintragungen (von verschiedenen Händen in Blei-, Rot- und Blaustift usw.). Gebrauchsspuren, am Bund etwas gelockert, Wendestellen abgenützt, vorderer Buchdeckel und Rücken gelöst, 1. Partiturblatt schadhaft. Bestell-Nr.: 58/100 Preis: € 550,00 Nicht bei Hirsch, nicht bei Sonneck. – Originalausgabe der Dirigierpartitur, die nicht in den Handel gelangte. – Auf der ersten Seite haben sich mehrere Dirigenten mit Aufführungsdaten verewigt: Deauville, été 1920, Conni 1921, und Jac. Basset 1er chef d’orchestre Municipale Besançon 1930-31. – Aufführungsgeschichtlich besonders interessant ist eine handschriftliche Einlage, die zwischen S. 388 und 389 eingefügt ist (6 Bll. Partitur in Kopistenschrift). Des weiteren kann man sich mit einigen seinerzeit üblichen Strichen vertraut machen. – Lalos bekannteste Oper ist am 7. Mai 1888 in Paris uraufgeführt worden. Ähnlich wie zuvor Wagner in der deutschen Oper die Germanen auf der Bühne populär gemacht hatte, so greift Lalo in den späten 1880er Jahren auf Frankreichs keltisches Erbe zurück. Vor diesem Hintergrund spielt Le Roi d’Ys, in dem allerdings noch viele Einflüsse des Meisters von Bayreuth zu erkennen sind. Besonders deutlich zeigt sich dies in zwei Handlungsmotiven: Die rivalisierenden Frauengestalten Rozenn-Margared sind dramaturgisch mit Elsa-Ortrud vergleichbar. Und kurz vor Schluss der Oper stürzt sich Margared von einem hohen Felsen in die sturmgepeitschte See – auch wenn dies hier keinen Liebestod darstellt, sondern als Opfer zur Besänftigung der Götter, so erinnert die Szenerie frappierend an Sentas Todessturz (vgl. dazu die Abb. im Opera-Grove IV, S. 6). Zur Erzeugung einer musikalischen couleur locale griff Lalo auf bretonische Volksweisen zurück.
Exemplar aus dem Besitz von Mendelssohns Bruder PaulMENDELSSOHN BARTHOLDY, Felix (1809–1847). Athalia von Racine [...] Op. 74. N° 2 der nachgelassenen Werke. Leipzig, Breitkopf & Härtel, Pl.-Nr. 7899 [um 1848/49]. 93 S. Clavierauszug nach der Original-Partitur bearbeitet von J. Rietz, folio. Schöner dunkelbrauner HLdrbd. mit Goldprägung, minimal bestoßen und berieben, doch insgesamt ausnehmend gut erhalten. Bestell-Nr.: 58/102 Preis: € 980,00 Erstausgabe, Autorenexemplar auf extra starkem Papier, Titel noch ohne den Eindruck von Preis (5 Thlr.) und Pl.-Nr. – Aus dem Vorbesitz von Paul Mendelssohn Bartholdy (Namenszug auf dem Vorsatzblatt), dem Bruder des Komponisten. Athalia gehört zu den großen Kompositionsaufträgen, die Mendelssohn vom preussischen König Friedrich Wilhelm IV. erhielt (wozu u. a. auch Sommernachtstraum und Antigone gehören). Das Werk entstand zwischen Juli 1843 und November 1845 und besteht aus der Ouvertüre und sechs Gesangsnummern für Soli und Chor mit Orchesterbegleitung. Am 1. Dezember 1845 fand im Königlichen Theater Berlin-Charlottenburg vor geladenen Gästen die Uraufführung im Rahmen einer Schauspielaufführung statt – der Komponist dirigierte aus dem Manuskript. Die erste öffentliche Vorstellung erfolgte erst posthum am 1. Februar 1849 unter der Leitung von Julius Rietz (zugleich Bearbeiter des Klavierauszugs) im Leipziger Gewandhaus. Mendelssohn wollte den Chor zunächst nur mit Frauenstimmen besetzen und hatte so die ersten Teile des Werkes ausgeführt. Erst im Verlauf der Komposition änderte er dieses Konzept und bearbeitete das Stück in der heute bekannten Form und mit großem Orchesteraufwand (u. a. 3 Trompeten hinter der Szene).
Vereinigung der Musen: Malerei (Hyacinthe Rigaud) und Musik (J.-J. C. de Mondonville)MONDONVILLE, Jean-Joseph Cassanéa de (1711-1772). Pieces de Clavecin Avec Voix ou Violon Dediées A Son Excellence Monseigneur L’Evesque de Rennes […] Œuvre VE. Paris, L’Auteur, Boivin-Le Clerc [1748]. Prächtiger Musikdruck in großfolio (38×28 cm), Titelblatt mit formatfüllendem Stich von Aubert nach Rigaud; Bl.2r: Widmung, Bl.2v: Avertissement; S. 1-19 Partitur in dem besonders feinen Stich von L. Hue, leicht gebräunt, sonst sehr gut erhalten; HLdrbd des 19. Jahrhunderts. Exemplar aus dem Besitz von Alfred Cortot mit dessen Exlibris und eh. Beschriftung auf den Vorsatzblättern. Bestell-Nr.: 58/103 Preis: € 5.600,00 Eitner VII, 28; BUC 483; RISM M 3027 (nur 1 Exemplar in Deutschland); Abb. in Von Zur Westen Nr. 37 und G. S. Fraenkel 121. – Erste und einzige Ausgabe einer der überraschendsten Kammermusiksammlungen der französischen Barockmusik. Die Partitur enthält eine durchgehend auskomponierte konzertierende Cembalopartie sowie eine Partnerstimme, die einem Sopran oder einer Violine zugedacht ist. In dem ausführlichen Avertissement präzisiert Mondonville seine Vorstellungen, nach denen die optimale Ausführung durch eine Cembalistin zu geschehen hat, die singt und gleichzeitig sich selbst am Tasteninstrument begleitet. Angesichts der hohen Anforderungen an beide Partien erkennt aber bereits Mondonville die Schwierigkeit dieser Besetzung an und gibt ein kurzes Studierkonzept dazu. Nur die nicht singenden Cembalisten, so schreibt er, sollen sich mit einem Violinisten behelfen, können als dritte Variante aber die Werke nur mit dem Tasteninstrument spielen, das ebenfalls einen vollständigen Satz in sich darstelle. Die Partitur erweist im Detail indes, dass alle drei Partien besetzt sein sollten (Gesang + Cembalo + Violine), da die langen (untextierten) Introduktionen anspruchsvoll figurierte, völlig unsangbare Streicherpartien enthalten. In voller Besetzung jedoch erstehen in diesem Sammelband neun kleine Kantaten, in denen – so das Avertissement – der goût François und der goût Italien zu einem Ausgleich gelangen sollen. Mondonville war zunächst Geiger, ab 1740 sodann Nachfolger Campras als königlicher Sous-Maître de Chapelle, bis er 1744 als Intendant de la Musique Haupt der königl. Musikadministration wurde. Er entwickelte besonderen Klangsinn, wie auch Opus V beweist. „Die klare Tektonik seiner Themen und der harmonischen Anlage, die schlichten, ausdrucksstarken Melodien seiner langsamen Sätze weisen Mondonville als bedeutenden Wegbereiter der Klassik in Frankreich aus“ (MGG/2). Durch die Verwendung eines hervorragenden Gemäldes von Hyacinthe Rigaud (16591743, ab 1694 peintre du Roi unter Ludwig XIV. und Ludwig XV.) bildet das Titelblatt dieses Musikdrucks eine Vereinigung auf höchstem Niveau von Malerei und Musik. Rigauds Werk zeigt eine Cembalistin in großem Architekturrahmen vor einer weiten Landschaft (unterer Hintergrund), bekrönt von einem Engelskonzert. Die meisterhaft ausgeklügelte Komposition bietet perfekte Detailkunst und gleichzeitig eine dramatische Tiefenwirkung, wie ich sie von keinem zweiten Musiktitel kenne.
MOZART, W. A. [KV 588] Così fan tutte o sia la scuola degli amanti, per il Cembalo [...] Weibertreue oder die Mädchen sind aus Flandern, ein komisches Singspiel in zwey Acten [...] Im Klavierauszuge von Siegfried Schmiedt. Leipzig, Breitkopf & Härtel [1794]. 3 separat paginierte Teile (2 Bll. Frontispice [Rand linksseitig ergänzt] und Titelbl., 78, 80, 82 S., zusätzlich durchgehende Paginierung in Tinte in den Teilen II-III), Klavierauszug in Typendruck, hohes querfolio; leichte Bräunungen. Bestell-Nr.: 58/106 Preis: € 2.700,00 Köchel/7 S. 669; Haberkamp, S. 333f. (Abb. 304–306); RISM M 469; Hirsch IV Nr. 166; nicht in Slg. Hoboken. – Erstausgabe des Klavierauszugs (die Partitur erschien erst 1810). Das Frontispiz wurde von Rosmäsler gestochen und ist eines der berühmtesten in seiner Art. Es zeigt Mozarts fiktives Grabdenkmal mit dem Portrait (nach L. Posch) vor einer Szenerie mit ägyptischer Pyramide, Engeln, Genien, Musikinstrumenten und Noten. Dieser Stich ist typisch für die (von echter Trauer geprägte) Frühzeit der Mozart-Rezeption, die sich bereits im frühen 19. Jahrhundert zur Verehrung des ‚Mozart – das ewige Kind’ wandelte (was sich später zum ebenso falschen Klischee vom ‚unverstandenen Genie’ weiterentwickelte). Cosi fan tutte ist eines der größten Meisterwerke der Opernliteratur und zeigt Da Ponte und Mozart als Anti-Idealisten und Anti-Moralisten, die den Menschen ebenso von der ‚guten’ wie von der ‚bösen’ Seite vorführen. Mozart gelangte schon 1778 zu einer solchen Sichtweise, wenn er aus Mannheim an den Vater über Madame Cannabichs Freundschaftsbeweise schreibt: „Es ist freilich intereße auch dabey; allein, wo geschieht etwas, ja, wie kann man etwas thun auf dieser welt, ohne intereße? Und was mir bey der Madame Cannabich gar wohl gefällt, ist, daß sie es auch gar nicht läügnet […]“ (18. 12. 1778) Diese Stelle kann Mozarts Intentionen bei Cosi erklären, aber die Bearbeiter des frühen 19. Jahrhunderts (wie u. a. H. von Treitschke und K. A. von Lichtenstein) verfälschten Mozarts und Da Pontes Dramaturgie in einer eher sexistischen Weise.
PANERAI, Vincenzo (ca. 1750 – nach 1810). Suonata XXIV. O sia Overtura per Cimbalo a [recte: o] piano-forte. Dedicata a Mademoiselle Charlotte Seigne de Beinville, Dilettante. Florenz, Pagani & Brazzini [kuz nach 1770]. Titelseite + 6 S. (paginiert 128–133) in Stich, quer-folio. Hervorragend erhalten (doch etwas knapp beschnitten). Bestell-Nr.: 58/107 Preis: € 450,00 RISM P 851 (nur ein Exemplar: US-Wc). – Obwohl RISM immerhin 17 gedruckte Werke Panerais nachweisen kann (allerdings jeweils meistens in nur einem Exemplar), ist die Musikgeschichtsschreibung über den Abate Panerai nahezu kenntnislos vorüber gegangen. Dieser Komponist wird auf der Titelseite als Abate und ferner als Professore de Cimbalo e d’Organo, Maestro di Cappella e di Musica Fiorentino bezeichnet; Gerber berichtet im NTL ferner, es handle sich um einen jetzt lebenden, aber noch unbekannten Instrumentalkomponisten. BUC kann die Suonata nona per cimbalo a piano-forte e violino nachweisen und gibt als Jahr der Veröffentlichung ca. 1770 an. Das vorliegende Stück ist die wohl letzte einer ganzen Reihe von einzeln in verschiedenen florentinischen Verlagen erschienenen Sonaten mit wechselnden Besetzungen (z. B. die 14. für Cembalo und Mandoline oder die 16. a quattro mani), die allerdings eine durchgehende Paginierung aufgewiesen haben dürften, wie unser Exemplar zeigt: Über dem Beginn des 128-133 paginierten Notentextes befindet sich zusätzlich der Hinweis Continuazione dell’Opera. Besonders eindrucksvoll ist die üppig verzierte Titelseite mit barockem Rahmen (bez.: Gius. Poggiali inv.), zumal sie bei unserem Expl. ein ausgesprochen frisches Druckbild aufweist. – Das Stück besteht aus zwei Sätzen (Lento espressivo – Vivacissimo e con gran Spirito), die attacca subito gespielt werden und in ihrem Tonartenverhältnis (c-moll – C-Dur) eher wie ein Satz mit langsamer Einleitung wirken.
PAISIELLO, Giovanni (1740–1816) / FRAMERY, Nicolas-Etienne (1745– 1810). L’Infante de Zamora. Opéra Comique en Trois Actes [...] Parodie Sous la Musique de la Frascatana Par Framery. Prix 36tt [...] Ecrit par Billet. Paris, Leduc, Pl.-Nr. 18 [um 1797]. 1 Bl. (Titel), 308 S. Partitur in Stich, folio. Grüner HPgtbd. mit blauem Buntpapierbezug d. Z.; Rückenschildchen mit Goldprägung. Buchdecke etwas berieben und bestoßen, Notenteil mit Alterungsspuren, insgesamt aber sehr gutes Exemplar. Bestell-Nr.: 58/108 Preis: € 700,00 Robinson 1.43 Version 16 (S. 185); RISM P 269; Hirsch II, S. 183 (Nr. 703). – Das diesem Druck zugrunde liegende Originalwerk, La Frascatana, ist im Herbst 1774 in Venedig uraufgeführt worden und hatte nicht nur in Italien großen Erfolg, sondern bald auch in ganz Europa (z. B. Paris: 10. September 1778). Der Komponist, Librettist und Schriftsteller Framery, der auch anderen Opern für Pariser Aufführungen ein neues, ‚französisches’ Gewand verlieh, ersetzte u. a. die originalen Rezitative durch gesprochenen Text (die im vorliegenden Druck vollständig wiedergegeben sind), nahm Instrumentationsretuschen vor (z. B. Hinzufügung von Trompeten in der Ouvertüre), übernahm insgesamt 16 Musiknummern aus La Frascatana und fügte noch sechs weitere aus anderen Opern Paisiellos ein (aus Il tamburo bzw. Il gran cid). Im Gegensatz zum bis heute ungedruckten Original ist L’infante de Zamora seinerzeit in vier verschiedenen Ausgaben veröffentlicht worden (vgl. RISM), was auch den Erfolg der Parodie-Fassung anzeigt.
PICCINNI, Nicolo (1728–1800). [Iphigénie en Tauride. Tragédie lirique en quatre actes. Paris, vermutlich chez le Suisse de l’Hôtel de Noailles, 1781.] 2 Bll., 264 S. Partitur in Stich, folio. Grüner HPgt. mit dunkelblau marmoriertem Papierbezug (zeitgenöss.). Sehr gutes Expl. (zeitgen. Besitzstempel auf der Titelseite: Chateau de la Roche Guyon / Bibliothèque). Beim Binden wurden falsches Titel- und Widmungsblatt verwendet; sie gehören zur gleichnamigen Oper von Christoph Willibald Gluck! Bestell-Nr.: 58/110 Preis: € 280,00 RISM P 2150 oder 2151 bzw. 2152. Hirsch II, S. 192. – Dieses Partitur-Exemplar lief bis-her unter Glucks Namen, und erst die Verifizierung des Seitenumfangs brachte den nun 200 Jahre zurückliegenden Bindefehler zu Tage! Glucks Partitur (Erstauflage bei Le Marchand, Paris, ca. 1779) hat einen Umfang von nur 211 Seiten, der in allen Auflagen gleich bleibt. Ob es sich dabei um einen historischen Betrugsfall handelt (vielleicht, weil sich Gluck besser verkaufte, als Piccinni), kann hier nicht entschieden werden. – Piccinnis Iphigénie war ganz bewusst als Konkurrenz zu Glucks etwas älterer, aber äußerst erfolgreicher Version am 23. Januar 1781 in Paris uraufgeführt worden. Das Werk wurde zum Auslöser für den Streit zwischen Gluckisten und Piccinisten, der wohl zu den heftigsten und bizarrsten in der europäischen Kulturgeschichte gehört (möglicherweise hängt unser seltsames Expl. damit irgendwie zusammen).
Prinz Louis Ferdinand von PREUSSEN (1772–1806). Quatuor [Es-Dur] Pour le Piano-Forte, Violon, Alto et Violoncelle [...] dédié à son Altesse Royale Madame la Princesse Ferdinande de Prusse par son fils [...] Oeuv. 5. Pr. 2 Rthlr. 12 gr. Leipzig, Breitkopf & Härtel, Pl.-Nr. 381 [ca. 1806; hier Abzug ca. 1895]. Stimmen in Stich, folio: Vl. (11 S.), Va. (12 S.), Vc. (13 S.), Klavier (35 S.). Geklammerte Stimmen (Klavierstimme teils gelöst; blasser Feuchtigkeitsfleck in der 2. Bandhälfte). Stellenweise etwas blasses Druckbild. Bestell-Nr.: 58/111 Preis: € 165,00 Extrem später Abzug von den Originalplatten, wobei die Klavier-Stimme noch die originale Titelseite aufweist; in den übrigen Stimmen befindet sich dagegen ein Reihentitel mit einem Verzeichnis von ca. 1895. Erst um 1910 ist das Op. 5 bei Peters im Neudruck erschienen (hrsg. von Otto Wittenbecker). – Der jüngste Bruder Friedrichs des Großen gilt als nahezu einziger Komponist aus den Kreisen des Hochadels, dem man (nicht zuletzt gestützt auf Urteile von Reichardt und Beethoven) eine außergewöhnliche (‚genialische’) Musikbegabung zubilligt, wobei sein tragischer Tod in der Schlacht bei Saalfeld zu einem geradezu mythischen Nachruhm geführt hat. C. M. v. Weber vertonte eines von Theodor Körners vaterländischen Gedichten (Düstre Harmonien hör ich klingen) unter dem Titel Bei der Musik des Prinzen Louis Ferdinand von Preussen (Jähns 205) und verwendete dafür Themen aus dessen Kompositionen. Bis 1823 wurden insgesamt 13 seiner Werke veröffentlicht. – Das Opus 5 ist durch einen virtuosen, sehr dichten und durchaus romantische Züge tragenden Klavierpart gekennzeichnet. Innerhalb der Sätze wird reichlich moduliert, und dass das Menuett in es-moll, das dazugehörende Trio in H-Dur steht, mag als Andeutung von Louis Ferdinands harmonischer Freizügigkeit genügen.
PUCCINI, Giacomo (1858-1924). Turandot. Drame lyrique en trois actes et cinq tableaux [...] Morceaux séparés pour chant et piano.[Daraus: Arie der Liu, 3. Akt] Milano, Ricordi, V.-Nr. 120407, cpyright 1927; 2 Bll., 3 S. fol.; Umschlag mit prächtiger Farbdarstellung der Prinzessin Turandot. Bestell-Nr.: 58/112 Preis: € 40,00 Einzelnummer aus einer Serie von 7 Heften mit den Highlights der Oper. Siehe vorderer Katalogumschlag, auf dem die Turandot-Darstellung verwendet ist.
REGER, Max (1873–1916). Suite im alten Styl für Violine und Klavier [...] Opus 93. Leipzig, Lauterbach & Kuhn, Verl.-Nr. L.&K. 277, 1906. Stimmen in folio: Vl. (11 S.), Klav. (27 S.) in (leicht nachgedunkeltem OUmschlag; leichte Lagerungsspuren, gelockert; Vl.-Stimme mit kleinem Einriss; einige aufführungstechnische Einzeichnungen (Blei- bzw. Blaustift). Der Umschlagtitel und die Haupttitelseite mit den großartigen Passe-partout-Dekor von »RM«, der für viele Werke Regers Verwendung fand. Bestell-Nr.: 58/113 Preis: € 145,00 Erstausgabe. – Das dreiteilige Werk (Präludium – Largo – Fuge) bezieht sich in den Satztypen zwar auf barocke Formen, doch selbstverständlich bleibt Reger seinem Stil treu und bietet hier eine ganz eigene Sichtweise auf das traditionelle Repertoire. Das Werk fällt durch die jeweils enorme Ausdehnung der Sätze und durch seine kontrapunktische, mit unzähligen Nebenstimmen prall gefüllte Schreibweise auf, für die hin und wieder einige Finger mehr dem Spieler durchaus dienlich wären. Es war nur konsequent, dass Reger von diesem Werk 1916 noch eine Orchesterfassung anfertigte (vom Largo existiert noch eine authentische Version für Violine und Orgel).
Ein äußerst seltener Stuttgarter MusikdruckRIES, Ferdinand (1784–1838). La sentinelle avec [7] Variations [für Klavier zu zwei Händen]. In Umschlag: Musikalisches Monatsblatt für das Pianoforte, Nr. 12. Stuttgart, Schulz, [vermutlich um 1831]. 12 S. in Lithographie, quer-quarto. Noten stellenweise etwas fleckig. Bestell-Nr.: 58/114 Preis: € 120,00 Fellinger S. 977 (dort allerdings nur Heft 8); Beilage zu einem extrem seltenen Periodikum. – Die Variationen, die hier von S. 1 bis 11 reichen, sind im Werkverzeichnis von New Grove als op. 105 Nr. 1 nachgewiesen (undatiert). Der kleine Zyklus wird von einem achttaktigen Marsch eingeleitet. Die 3. Variation steht in Moll, und bei der letzten handelt es sich nicht nur – wie üblich – um die längste, sondern – für die Zeit ebenfalls nicht ungewöhnlich – um eine Polacca. – Auf S. 12 ist die Romanze Der Gondolier auf leichtem Boot aus D. F. E. Aubers 1830 uraufgeführten Oper Fra Diavolo im Klavierauszug wiedergegeben.
ROSSINI, Gioacchino (1792–1868). La Pie Voleuse. Opéra en trois actes d’après le Drame français de MM.es Caigniez et d’Aubigny et l’Opéra Italien La Gazza ladra. Paroles ajustées sur la Musique de Rossini par M. Castil-Blaze. Paris, Castil-Blaze, Pl.-Nr. 7 [1822]. 444 S. Partitur in Stich, groß-folio. Aufgeteilt in zwei gleichartige Pappbände d. Z., stark berieben und bestoßen; Titelbll. mit Ausbesserungen; vielfach gebräunt und schwach fleckig. Bestell-Nr.: 58/115 Preis: € 580,00 Erste Partiturausgabe (wenn auch nicht in Originalgestalt). Das ursprünglich zweiaktige Werk (La gazza ladra) war am 31. Mai 1817 an der Mailänder Scala uraufgeführt und 1821 in Paris erstmals gegeben worden, allerdings auf Italienisch. Die französische Erstaufführung in der Landessprache folgte der hier vorliegenden Bearbeitung, die den Originaltitel der Schauspielvorlage trägt und zuerst am 15. Oktober 1822 in Lille auf die Bühne kam. Sie ist anschließend im französischen Sprachraum vielfach nachgespielt worden. – Zahlreiche Gebrauchsspuren belegen, dass unser Exemplar zu Aufführungszwecken intensiv verwendet worden ist: Vielfach wurden zu Beginn der Musiknummern mit Bleistift Stichworte eingetragen, gelegentlich sind Gesangsstimmen mit einem neuen französischen Text unterlegt. – F. H. J. Castil-Blaze (1784–1857) ist in der Musikgeschichte als Bearbeiter vieler klassischer Opern bekannt (darunter z. B. die äußerst fragwürdige französische Adaptierung des Freischütz). Er verfertigte auch Pasticcios, um neues Material möglichst publikumswirksam zu servieren. Zu seiner Zeit war das üblich und weit verbreitet; außer wenigen Komponisten (wie z. B. Beethoven) nahm man daran auch kaum Anstoß.
ROUSSEAU, Jean-Jacques (1712–1778). Le Devin du Village. Interméde. Réprésenté a Fontainebleau Devant leurs Majestés les 18. et 24. Octobre 1752. Et a Paris par l’Académie Royale de Musique le 1.er Mars 1753. [...] Prix 12.tt. Paris, Bureau du Journal de Musique [nach 1753]. 2 Bll. (Titel, Widmung, Avertissement), 95 S. Partitur in Stich, folio. Blauer zeitgenöss. HPgt.bd. Berieben, Kanten bestoßen. Offensichtlich später Abzug (Druckbild stellenweise etwas blass). Bestell-Nr.: 58/116 Preis: € 850,00 RISM R 2906. Diese Ausgabe nicht bei Hirsch. – Die Uraufführung am 18. Oktober 1752 in Fontainebleau (noch mit einer Pasticcio-Ouvertüre und den Rezitativen fremder Komponisten) bildete den Auftakt zu einer verblüffenden Erfolgsgeschichte, die zum einen bis in die 2. Hälfte des 20. Jh.s anhielt und zum anderen von zahlreichen Umarbeitungen sowie von Parodien begleitet wurde; u. a. sind Colin und Collette des Originals zu den Titelfiguren in Bastien und Bastienne geworden, als welche sie in der Vertonung durch Mozart freilich noch berühmter wurden. Im bewussten Kontrast zu den pastoralen Opern Lullys und Rameaus führt Rousseau vor dem Hintergrund dörflicher Natürlichkeit den Triumph der Naivität der Landbevölkerung über das zivilisierte (d. h. verdorbene) Verhalten der Städter vor. Mendel/Reissmann kritisierte noch 1877 „die Lücken in Rousseaus musikalischer Bildung“, die sich hier immer wieder zeigten; „die Harmonie ist keineswegs immer correkt und die Fortschreitung der Bässe zeugt manchmal von einer ungeübten Hand“. Hier wurde aber auch das schöne Wort vom „Zug naiver Grazie“ geprägt, „welcher durch das ganze Werk geht und ihm den Stempel des Genies aufdrückt, eine Natürlichkeit, die nicht hoch genug zu schätzen ist“. Der Erfolg von Le Devin du Village fällt für Rousseau in eine schwierige Zeit, hatte er doch 1753 in Lettre sur la musique française nichts weniger, als das völlige Unvermögen dieser Sprache zur Vertonung bzw. zum Singen behauptet und damit heftige Anfeindungen provoziert: „Die Sänger und Orchestermitglieder der Grossen Oper versammelten sich auf dem Hofe des Theatergebäudes, um den Verfasser in effigie zu verbrennen und der Direktor entzog ihm, trotz des Erfolgs seines »Devin de village« den freien Eintritt, der ihm erst zwanzig Jahre später auf Gluck’s Verlangen wieder gewährt wurde“ (Mendel/Reissmann).
SCHÖNBERG, Arnold (1874–1951). Von Heute auf Morgen. Oper in einem Akt von Max Blondas [d. i. Gertrud Schönberg]. Berlin, Selbstverlag (Auslieferung und Bühnenvertrieb Edition Benno Balan), 1930. 164 S. Partitur in Autographie, Imperialfolio (43,5×33 cm). HLdrbd. mit marmoriertem Stoffbezug und goldgeprägtem Rückenschild; Papier gegen Schluss etwas gebräunt und leicht fleckig, insgesamt indes ein beeindruckendes Dokument. Bestell-Nr.: 58/117 Preis: € 2.900,00 Erstausgabe; äußerst seltenes Exemplar der Dirigierpartitur, die nicht in den Handel kam. – Nachdem die Verhandlungen mit der Universal Edition (Wien) und Schott (Mainz) gescheitert waren, musste Schönberg seine „heitere bis lustige, manchmal sogar [...] komische Oper“ (Selbstkommentar des Komponisten in einem Brief an P. Bekker) selbst verlegen und dafür die Reinschrift anfertigen, die dann photomechanisch vervielfältigt werden konnte. Ebenso wie Richard Strauss‘ Intermezzo (1924) spielt Von Heute auf Morgen im engsten familiären Kreis; die offenkundigen autobiographischen Zügen wirken durchaus als Versuch, eine Ehekrise zu bewältigen. Während in diesem Werk nur vier Sänger ausreichen (als fünfte, allerdings nur rezitierende Partie kommt »das Kind« hinzu), verlangt Schönberg kein riesiges, dafür aber ein vielfältiges Orchester, bei dem das konventionelle Instrumentarium zwar meistens nur ein- bis zweifach zu besetzen, dafür aber mit vielen »Sonderinstrumenten« zu ergänzen ist (Saxophone, Mandoline, Gitarre, Flexaton u. a.). Die Uraufführung fand am Frankfurter Opernhaus am 1. Februar 1930 statt. Weil das Stück mit ca. 45 Minuten Spieldauer nicht abendfüllend ist, gab man außerdem noch das Scarlatti-Pasticcio Il maestro di musica (1752). Die Publikumsreaktion war gespalten, und Schönberg hatte vergeblich einen größeren Erfolg und Popularität erhofft.
SCHUBERT, Franz (1797–1828). Siebente Sonate [a-moll] für Piano [...] Op. 164. [...] 1 Thl. / 1 f.30 x. CM. Wien, Spina, Pl.-Nr. D. & C. N° 9106 [ca. 1852]. 23 S. in Stich, folio. Ungeheftet. Sehr schönes Exemplar. Bestell-Nr.: 58/119 Preis: € 190,00 D 537. – Erstausgabe. – Bei der Vergabe der Pl.-Nr. stand der Firmen-Übergang von Diabelli & Co. zu Spina an, der mit dem Rückzug Diabellis Anfang 1851 vollzogen wurde: Die Herstellung muss zu einer Zeit begonnen haben, als die alte Firmierung noch galt. – Die a-moll Sonate ist im März 1817 komponiert worden und gehört zu dem großen Nachlassfundus, den Diabelli nach Schuberts Tod erworben hatte und aus dem er viele Jahre lang zahlreiche Stücke als posthume Erstausgaben veröffentlichte.
SCHUBERT, Franz (1797–1828). Variationen für das Piano=Forte zu 4 Händen über ein Thema aus der Oper Marie von Herold. Seiner Hochwürden Herrn Cajetan Neuhaus, Professor der theoretischen und praktischen Philosophie in Linz, gewidmet [...] 82tes Werk. [...] Preis f. 1.45x C.M. / f. 1. 4gr. Wien, Has-linger, Pl.-Nr. T. H. 5040 [1827]. 1 Bl. (Titel), 29 S. in Stich, quer-folio. Außen stark gebräunt; leicht randrissig (jedoch ohne Berührung des Druckbereichs). Sehr gutes Druckbild (Druckerschwärze leicht durchschlagend). Bestell-Nr.: 58/120 Preis: € 245,00 D 908. – Erstausgabe. – Ferdinand Hérolds Oper Marie war am 12. August 1826 in Paris uraufgeführt und bereits am 18. Dezember d. J. in Wien nachgespielt worden; aus dieser Aufführungsserie kannte Schubert das Werk und wählte als Thema seines Variationenzyklus eine Passage aus der Arie des Lublin (3. Akt, 10. Szene) aus, um sie acht Mal zu variieren. Die im Grunde simple Melodie weist den in Schuberts Werk so häufig auftretenden Pavanenrhythmus auf (lang – kurz – kurz); wohl deshalb hatte ihm die Stelle besonders gut gefallen. Wie dies in der Musikgeschichte immer wieder vorkommt (vgl. die Diabelli-Variationen von Beethoven), so zeigt Schubert in diesem Opus ein weiteres Mal, dass man aus einem einfachen Thema ein bedeutendes Werk hervorzaubern kann.
SCHUBERT, Franz (1797–1828). Sammelband mit 3 Erstausgaben und 1 Titelauflage von Kompositionen für Klavier zu vier Händen. Dem Band ist ein Vollständiges Verzeichniss der bis ca. 1848 veröffentlichten Werke Schuberts nachgebunden. Alter HLdrbd. mit grau-schwarzem Buntpapierbezug; stark verblasste Goldprägung a. d. Rücken (Schubert / Werke für Pianoforte); etwas bestoßen und berieben, innen zumeist sehr gut erhalten. Bestell-Nr.: 58/121 Preis: € 650,00 Inhalt: A) Divertissement à la hongroise pour le piano à 4 mains [...] dedié à Madame de Lacsny, née Buchwieser [...] Oeuvre 54. Seconde Edition. [...] Pr. 3.– C.M. Wien, Diabelli, Pl.-Nr. D. & C. N° 4597 [1833]. D 818. – Titelauflage des Artaria-Erstdrucks. B) Notre amitié est invariable. Rondeau pour le Piano-Forte à quatre mains [...] Oeuvre 138. [...] Pr. f. 1.15 x C.M. Wien, Diabelli, Pl.-Nr. D. et C. N° 5419 [1834]. 19 S. in Stich. D 608. – Erstausgabe. – Von dem Stück existieren zwei Fassungen: Die ältere und um über hundert Takte längere blieb unveröffentlicht. Das Titel-Motto dürfte vom Verleger stammen und sich auf die nur in der kürzeren Fassung vorkommende Überkreuzung der Hände beider Spieler beziehen, was deren Verbundenheit symbolisieren soll. C) Grand Duo [C-Dur] pour le Pianoforte à quatre mains [...] Op. 140. Dédié à Mademoiselle Clara Wieck par les Editeurs. [...] Pr. f. 4.– C.M. Wien, Diabelli, Pl.-Nr. D. & C. N° 6269 [1837]. 63 S. in Stich. – D 812. – Erstausgabe. – Der geradezu symphonische Zuschnitt des Werkes (ca. 1400 Takte!) ließ die Vermutung aufkommen, es handle sich um die Klavierfassung eines Orchesterwerkes (dies war auch die Auffassung von Robert Schumann). Joseph Joachim hat das Grand Duo 1855 entsprechend bearbeitet und im Februar 1856 in Hannover aufgeführt. Das Autograph ist jedoch mit Sonate überschrieben. D) Lebensstürme. Charakteristisches Allegro [a-moll] für das Pianoforte zu 4 Händen [...] Op. 144. [...] Wien, Diabelli, Pl.-Nr. 6704 [1840]. 31 S. in Stich. – D 947. – Erstausgabe. – Der programmatische Titel dürfte vom Verleger stammen (das Autograph ist verschollen). Nachgebunden: Vollständiges Verzeichniss im Druck erschienener Compositionen von Franz Schubert, nach der Opus-Zahl geordnet, mit Angaben der Dichter und des Textes bei Gesangscompositionen, ferner der Tonarten, der Verleger, der Preise und der vorhandenen Arrangements. Leipzig, Rocca [um 1848]. 4 Bll. in Buchdruck (zweispaltige Liste). Seltenes wirkungsgeschichtliches Dokument. Von den bei Diabelli aus dem Nachlass herausgegebenen Liedveröffentlichungen ist zuletzt die 40. Lieferung (1842) enthalten, unter den Klavierkompositionen befindet sich aber als ‚neueste’ die 1848 erstmals erschienene Fuge op. 152 (D 952). Es handelt sich einerseits um einen höchst informativen Nachweis darüber, was für das Publikum bis zu diesem Jahr der ‚ganze’ Schubert bedeutete; zum anderen sind auch noch Bearbeitungen von C. Czerny, A. Diabelli, F. Liszt und E. Wolff nachgewiesen.
SCHULZ, Johann Abraham Peter (1747–1800). Lieder im Volkston, bey dem Claviere zu singen, [...] Erster Theil. Zweyte verbesserte Auflage. Berlin, Decker, 1785. 2 Bll. (Titel, Vorbericht), 47 S. in Typendruck, querfolio. Leicht bestoßener Pappbd. d. Zt. mit grauem Kleisterpapierbezug. Notenteil mit schemenhaften Feuchtigkeitsspuren; offenbar unbenutztes Exemplar. Bestell-Nr.: 58/122 Preis: € 345,00 RISM S 2365. – Schulz dürfte um 1780 der wichtigste und populärste Liederkomponist Norddeutschlands gewesen sein. Mit seinen bewusst einfach gehaltenen Gesängen, für die er aber qualitativ hochstehende Texte zeitgenössischer Dichter verwendete, bemühte er sich erfolgreich um möglichst große Breitenwirkung und darf somit als einer der wichtigsten Väter der erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum einsetzenden Sängerbewegung angesehen werden: „Schulz war ein wahrhaft classischer Componist für den Volksgesang“, wie ihn Schilling bereits 1840 würdigte, dessen „reizende Melodien und Lieder in den Volksmund übergingen“. – Nach einer ersten, 48 Lieder umfassenden Sammlung, die 1782 ebenfalls bei Decker erschienen war, folgte zwischen 1785 und 1790 eine zweite, stark erweiterte Auflage in drei Heften: „Der Beyfall, womit das Publikum meine bisherigen Liederkompositionen aufgenommen hat, muntert mich auf eine angenehme Art auf, dieser neuen Ausgabe meiner sämtlichen Lieder im Volkston alle diejenige Vollkommenheit zu geben, die von meinen Fähigkeiten abhängt“, wie Schulz im Vorbericht erklärt. Hier fomulierte er außerdem als ästhetisches Ziel, „mehr volksmässig als kunstmässig“ zu komponieren; auch Laien sollten die Lieder „leicht nachsingen und auswendig behalten können“. Hier prägte er das schöne Wort „vom Schein des Bekannten“, der immer mitschwingen sollte und in dem „das ganze Geheimniß des Volkstons“ liege. Für die Lieder habe er nur „Texte aus unsern besten Liederdichtern gewählt“, wobei es sich vorwiegend um die des Göttinger Hains handelt, u. a. Hölty, Miller, Overbeck und Fr. L. zu Stolberg. Die letzte Liedgruppe besteht aus drei Theater=Gesängen, deren letzter, Mit Pfeilen und Bogen, aus Goethes Götz von Berlichingen stammt (Beginn des 2. Aktes). Schulz soll nach Stieger eine ganze Oper nach diesem Drama komponiert haben.
SPOHR, Louis (1784–1859). Des Heilands letzte Stunden. Oratorium in zwei Theilen [...] dem Dichter desselben, Herrn Hofrath Rochlitz hochachtungsvoll gewidmet. [Kassel,] Selbstverlag [1835]. 1 Bl. (Titel), 134 S. Klavierauszug in Stich, quer-folio. Zwei prächtige, marmorierte, jeweils einen Teil enthaltende HLdrbde mit Gelbschnitt und Rückenschild (hier Goldprägung). Etwas berieben, Notenteil ausgezeichnet erhalten. Bestell-Nr.: 58/126 Preis: € 280,00 Göthel WoO 62 (S. 408). – Erstausgabe. – Rochlitz hatte das Libretto schon 1806 unter dem Titel Das Ende des Gerechten für den Komponisten Johann Gottfried Schicht geschrieben und bot es 1833 Spohr an. Dieser forderte einige Änderungen in der Christus-Partie, die Rochlitz offenbar nur ungern vornahm. Die Komposition fiel in eine schwere Zeit für Spohr: Am 20. November 1834 verstarb seine Frau Dorette, was er im Autograph an der betreffenden Stelle festgehalten hat; die Komposition wurde im Januar 1835 abgeschlossen. – Für den Stich der selbst herausgegebenen Erstausgabe beauftragte Spohr den Verlag Breitkopf & Härtel, der 1846 (mit den gleichen Druckplatten) auch die Ausgabe für Schuberth (Hamburg) anfertigte. Wie seinerzeit noch üblich, wurden reine Instrumentalteile (hier die Ouvertüre) für Klavier zu vier Händen arrangiert.
TRICKLIR (auch: Triklir, Trikler), Jean Balthasar (1750–1813). Six Sonates [C, F, B, D, A, G] Pour Violoncelle et Basse [...] Œuvre [hs. I]. Paris, Sieber [um 1791/92]. 1 Bl. (Titel), 29 S. Partitur in Stich, folio. Fadengeheftet. Stark gebräunt, fleckig und bestaubt. Bestell-Nr.: 58/129 Preis: € 345,00 RISM T 1235 (einziges Expl. in US-Wc). Eine besondere Rarität der Streicherliteratur! – Tricklir stammte aus Dijon und ließ sich bis ca. 1768 in Mannheim zum Cellisten ausbilden. Anschließend unternahm er mehrer Konzertreisen, bis er zuerst in Mainz und schließlich 1769 in Dresden eine feste Anstellung erhielt. Mehrere Violoncellokonzerte und Kammermusik sind seinerzeit veröffentlicht worden. Hier handelt es sich um dreisätzige Sonaten, die in Akkoladen zu zwei Systemen notiert worden sind (Solo-Stimme in den ersten vier Stücken im Tenor-, dann im Violinschlüssel; außerdem unbezifferte Basspartie).
VINCI, Leonardo (1696?–1730). Twelve Solos For a German Flute or Violin with a Thorough Bass for the Harpsichord or Violoncello. Compos’d by Sig.r Leonardo Vinci and other Italian Authors. London, Walsh [1746]. 1 Bl. (Titel), 32 S. Partitur in Stich, folio, Alterungsspuren, gelegentlich fleckig; mehrfach (ausgebesserte) Beschädigungen (doch ohne Textverlust). Bestell-Nr.: 58/131 Preis: € 480,00 RISM V 1656 bzw. B II, S. 361 (zehn Fundorte, nicht in D); BUC, S. 1043. – Notation in zwei Systemen: Flötenstimme / bezifferte Basspartie. – Die Identität der beteiligten Komponisten und selbst der Umfang von Vincis Kompositionen konnte bisher nicht geklärt werden (keine Hinweise in den Noten). Es fällt aber auf, dass die beiden ersten Sonaten noch in der Nähe der Suiten-Tradition stehen (5 bzw. 6 Sätze, darunter auch Tänze). Sonst handelt es sich um dreisätzige Stücke. Auch das Druckbild wechselt nach der zweiten Sonate. Vielleicht stammen die Nummern 1 und 2 von Vinci und die übrigen von anderen Komponisten.
WAGNER, Richard (1813–1883). Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg, romantische Oper in drei Akten. [...] Preis 8 Thlr. Dresden, Meser, Pl.-Nr. 325 [1852]. 1 Bl. (Titel in Lithographie), 273 S. vollständiger Clavierauszug in Stich, groß-folio. Etwas bestoßener Pappbd. d. Z. (mit Leinenrücken). Anfangs etwas fleckig (rasch verschwindend). Bestell-Nr.: 58/133 Preis: € 650,00 Klein, S. 23; WWV, S. 282. Erstausgabe des Klavierauszugs in der zweiten Fassung, s. WWV 70 (XXIII: Revidierte Ausgabe des Klavierauszugs [von Theodor Uhlig] mit dem neuen Schluss ab S. 252). – Ab der Neufassung sind unverhältnismäßig mehr Pedalisierungsangaben vorhanden, die außerdem ausschließlich unter der Klavierakkolade angebracht sind (vorher nur selten und oft innerhalb der Akkolade). Der Neustich betrifft aber nur die S. 252ff.; die Ouvertüre liegt noch in der Erstfassung vor (wie in WWV, S. 283, erwähnt, mit beispielsweise 24 Takten auf S. 6).
WAGNER, Richard (1813–1883). Tannhäuser und Der Sängerkrieg auf Wartburg. Berlin, Meser / Adolph Fürstner, Verl.-Nr. A. 4000 F. (teilweise auch A.2945. 4000 F.) [um 1890]. 2 Bll. (Titel, Widmung), 327 S. Partitur in Umdruck, groß-folio. Rotbrauner Ganzgewebeband (vermutlich Anfang 20. Jh.) mit aufgezogenem vorderem OUmschlagsblatt. Bestens erhalten (mehrfach Trennstrich mit rotem Bleistift zwischen mehreren Akkoladen auf einer Seite). Bestell-Nr.: 58/134 Preis: € 500,00 WWV S. 283. Titelauflage der Partitur in der zweiten Fassung, s. WWV 70 (Stadium 2). – Erstmals im Juni 1860 gestochen bei Meser (Hermann Müller) in Dresden mit der Pl.-Nr. 670 erschienen und nun mit neuem Druckverfahren, aber mithilfe der Originalplatten hergestellt (hier dritte Auflage, da zuvor die alte Pl.-Nr. beibehalten worden war; vgl. WWV, S. 283). – Aufführungsgeschichtlich interessantes Exemplar, da auf der Titelseite (unter der Zeile: Vollständige Partitur) ein Formulardruck angebracht worden ist, der vom Empfänger des Bandes hs. ausgefüllt werden sollte und folgende Bestimmung enthält: Dieses Exemplar der Partitur (N° 88) darf nicht zu öffentlichen Aufführungen noch zu vollständiger oder theilweiser Ab= oder Ausschrift von Partitur resp. Stimmen benutzt werden (datiert: Berlin, den 16. November 1894. ppa Adolph Fürstner / Otto Mann). Im Verlauf der Partitur wurde ein entsprechender Avis am unteren Rand von zahlreichen recto-Seiten eingestempelt.
WEBER, Carl Maria von (1786–1826). Der Freischütz. Romantische Oper in 3 Aufzügen. Dichtung von Friedrich Kind [...] Preis 6 Rth. 12 g. Berlin, Schlesinger, Pl.-Nr. 1078 [1821 oder etwas später]. 177 S. Klavierauszug vom Componisten in Stich, quer-folio. Dunkelbrauner Lnbd. mit Goldprägung; etwas bestoßen, vereinzelt etwas schwaches Druckbild. Ein Sänger des Max, ein barbarischer Tenor, hat seine Partie mit violettem Stift markiert (2. H. 20. Jh.). Bestell-Nr.: 58/135 Preis: € 200,00 Jähns 277. Hoboken 350/351. – Erstausgabe, etwas späterer Abzug, doch noch immer mit der falschen Verl.-Nr. auf der Titelseite (N° 1088) und fehlender Pl.-Nr. auf der S. des Personenverzeichnisses (Slg. Hob. führt unter Nr. 351 ein Expl. mit lückenloser Platten-Nummerierung incl. auf dem Personenverzeichnis).
WEIGL, Joseph (1766–1846). Die Schweizerfamilie. Oper in drei Aufzügen [...] Praen.-Pr. 20gr. Subscr.-Pr. 1f. Braunschweig, Meyer, Pl.-Nr. 196 [ca. 1835]. 2 Bll. (Frontispiz, Titel), 81 S. Klavierauszug in Stich, quer-quarto. Schöner, leicht bestoßener HLdrbd. d. Z. mit Goldprägung auf dem Rücken. Bestell-Nr.: 58/136 Preis: € 120,00 Nicht nur das allgemein ausgezeichnete Druckbild macht den Band besonders ansprechend – vor allem das plastische Frontispiz (frisch wirkendes Brustbild des Komponisten) zeichnet unser Exemplar aus – es eignet sich ohne Weiteres zur Reproduktion. Die Schweizerfamilie wurde in Wien am 14. März 1809 uraufgeführt und war Weigls populärste Oper; sie wurde im ganzen 19. Jahrhundert nicht nur im ganzen deutschen Sprachraum, sondern überall in Europa gespielt.
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