Handschriften
und Autographen
ASTORGA, Giovanni Oliviero (1733/34-1830). Trio: a Due Violini, è Basso: De
Oliver Astorga. Stimmenmanuskript,
spätes 18. Jh., 5, 5, 5 S. in
querfol., sehr gut erhalten.
Bestell-Nr.: 58/4 Preis: € 280,00
Nicht in Eitner, nicht in
RISM-Ms. – Streichtrio in F-Dur mit einer interessanten
Schlußfuge; bisher ist
dieses Trio nicht nachweisbar, denn es ist nicht identisch mit der
tonartlich
einzig denkbaren Parallele, der Nr. 4 der Flötentrios op. 3 (RISM
A 2645; als
Ms. auch in RISM A/II unter Oliver y Astorga, Juan). Beide
Violinstimmen
unseres Trios haben häufige Doppelgriffe und unterschreiten das
c’ oft, sodass
dieses Trio für Flöten gar nicht in Betracht kommt. –
Der Komponist Giovanni
Oliviero Astorga war nach etlichen Reisen durch Deutschland und England
ab 1776
Violinist in der Königlichen Hofkapelle zu Madrid. Seine Werke
verlangen hohes
violinistisches Können.
Wegen
Korrekturen zu seiner Chormusik
BARTÓK,
Béla (1881–1945). Eigenhändiger Brief in ungarischer
Sprache m. U.,
Budapest, 2. Januar 1940, an den dortigen Verlag Magyar Kórus
(hier an einen
der Firmenmitgründer, Gyula Kertész) 2 S., 8vo
(21×13,5cm, 1 Bl., mit
Briefumschlag). Brieffaltung; sehr gut erhalten. Eine deutsche
Übersetzung
liegt bei.
Bestell-Nr.: 58/6 Preis: €
1.650,00
G. Kertész
(1900–1967) hatte
zusammen mit Lajos Bárdos (1896–1986) und György
Kerényi (1902–1986) – allesamt
Schüler Kódalys – 1931 den ungarischen Musikverlag
Magyar Kórus gegründet, wo –
der Wahl des Namens entsprechend – v. a. traditionelle und
moderne Chormusik
veröffentlicht wurde. 1950 wurde die Firma verstaatlicht und
existierte dann
unter dem neuen Namen Editio Musica Budapest weiter. –
Bartók meldet
sich nach dem Erhalt von Korrekturabzügen, zu denen er noch einige
Fragen
hätte: Sollen Silbenverlängerungsstriche verwendet werden
(dies sei bisher
uneinheitlich gehandhabt worden); er erkundigt sich ferner, ob er noch
eine 2.
Korrektur erhalte, und wünscht außerdem wegen der
Veröffentlichung künftiger
Chorwerke ausführliche und grundsätzliche Informationen.
Schließlich erinnert
er nochmals an das angeforderte Notenpapier. – Es könnte
sich um Korrekturen zu
den 27 zwei- und dreistimmigen Chören (BB 111) handeln, da dort im
8. Heft der
im Brief erwähnte Polstertanz (Párnás
táncdal) enthalten ist. Allerdings
sollen sie schon 1937 erschienen sein; später in diesem Verlag
veröffentlichte
Chorsätze Bartóks konnten nicht identifiziert werden.
Anfang 1940 lebte Bartók
noch in Ungarn. Im April und Mai 1940 unternahm er eine Tournee durch
die USA
und kam danach noch einmal nach Europa zurück. Das letzte Konzert
vor seiner
endgültigen Überfahrt nach Amerika fand am 8. Oktober 1940 in
Budapest statt.
Berlioz
sichert sich die Urheberrechte in Deutschland für ‚L’enfance du Christ’ und
kündigt die Uraufführung
des ‚Te Deum’ mit 900 Ausführenden an.
BERLIOZ,
Hector(1803-1869). Eigenh.
Brief m. U., Paris, 11. April [1855] an den
Geiger Ferdinand David. 2 S. 8vo (13,2 × 20,8 cm), in brauner
Tinte auf
gelblichem Papier, gefaltet.
Bestell-Nr.: 58/9 Preis: €
1.800,00
Berlioz bittet Ferdinand
David, für ihn in Leipzig die Urheberrechts-Anmeldung für L’Enfance
du
Christ vorzunehmen: «On grave en ce moment mon oratorio
de l’Enfance du
Christ, la partition de Piano paraîtra prochainement. Serait-ce
abuser de votre
obligeance que de vous prier de faire à Leipzig le
dépôt de cet ouvrage afin de
m’en assurer la propriété en Allemagne ? Vous
seriez bien aimable de m’écrire à
se sujet, de m’indiquer le nombre d’exemplaires qu’il
faut envoyer pour le
dépôt, et de me donner exactement le titre de
l’Académie de chant et de la
Société des Etudiants aux quelles l’Arrivée
à Saïs est dédiée. [...] Je
suis occupé à organiser en grand l’exécution
de mon nouveau Te Deum à 3 chœurs
dans l’Eglise de St. Eustache, pour le 30 avril, veille de
l’ouverture de
l’Exposition. Nous serons 900 exécutants. Le 15 mai je
pars pour Londres où je
suis engagé pour diriger les derniers concerts de la New
Philharmonic Society.»
Berlioz’ Te Deum wurde am 30. April 1855 an
St. Eustache in Paris
uraufgeführt.
Zwei
der
seltensten Opernpartituren des 18. Jahrhunderts
HILLER, Johann Adam
(1728–1804). Lisuart
und Dariolette eine Operette in Drey Acten von
Herrn Schüblern [=
Daniel Schiebler] und
Hillern (Titelblätter Akt II und III: Lisuart und
Dariolette oder Die
Frage und Antwort. Eine Komische Operette in 3 Aufzügen von J. A.
Hiller).
In drei Hefte aufgeteilte Partitur in der Handschrift eines
professionellen
Kopisten: Heft I (29 Bll., Akt I + Anfang Akt II); Heft II (Rest Akt
II, 32
Bll.); Heft III (Akt III, 48 Bll.), querfolio (32,5 × 24 cm), um
1770. Jeweils
fadengeheftet; handrastriertes Notenpapier (12 Systeme). Titelbl. des
1. Heftes
stark gebräunt und mehrfach mit Papierstreifen repariert.
Allgemeine
Lagerungsspuren (v. a. an den Rändern).
Bestell-Nr.: 58/14 Preis: €
3.900,00
Eitner V, 146; OperaGrove
II, 719 und 1289; MGG/2 Bd. 8 Sp. 1572 ff. (ausführlich). –
Uraufführung der
zweiaktigen Erstfassung: Leipzig, 25. November 1766; die
überarbeitete Fassung
in drei Akten, deren Abschrift hier vorliegt, wurde ebd. erstmals am 7.
Januar
1767 gegeben. – Die Partitur blieb ungedruckt und ist als
Handschrift nur vier
Mal nachweisbar (Brüssel; Berlin; Königsberg [fraglich ob
seit 1945 noch
vorhanden], Washington). Der Klavierauszug ist 1768 und in zweyter
und vermehrter Auflage 1769 jeweils bei Breitkopf in Leipzig
erschienen (s.
RISM H 5267 und 5268). – Die ursprünglich in Bögen zu
je 4 Seiten aufgeteilte
Partitur (durchnummeriert 1-52) wurde zwecks Broschur geteilt und mit
drei
Titel- und zwei Rückblättern versehen (zusammen 218 S.);
dabei erhielt Akt I
das ursprüngliche Titelblatt; Akt II und III erhielten (etwas
später?) textlich
leicht abweichende Titelblätter, wobei inzwischen ein P. Schamler
als Besitzer
vermerkt ist. Bei dem ursprünglichen Besitzer Bischoff dürfte
es sich um
Georg Friedrich Bischoff handeln (1780-1841, seit 1816 Musikdirektor in
Hildesheim). Nach zwei Opernversuchen in Zusammenarbeit mit J. G.
Standfuß
(1765-1766) ist Lisuart und Dariolette das erste
eigenständige
Bühnenwerk Johann Adam Hillers, der in Kurzem der Meister des
norddeutschen
Singspiels wurde. Hiller experimentierte hier mit komischen und ernsten
Effekten und benützte mit Erfolg die Da capo-Form. Der
Versuch,
italienische Melodik mit populären deutschen Elementen zu
vermischen, bleibt
bei Hiller allerdings ein Einzelfall. Mit seinen strophischen
Gesängen dagegen
hatte Hiller einen solch durchschlagenden Erfolg, dass sie bald eine
„volksliedähnliche Popularität“ erreichten. Lisuart
und Dariolette habe
für die Entwicklung des nord- und mitteldeutschen Singspiels
„Vorbildwirkung“
erreicht (MGG/2). – Das Libretto basiert auf Charles-Simon
Favarts Kommödie La
Fé Urgèle (vertont u. a. von R. Duni), die
ihrerseits auf die
mittelalterliche Geschichte The Wife of Bath’s Tale des
Geoffrey Chaucer
zurückgeht: Königin Ginevra sendet den Ritter Lisouart aus,
um ihre schöne
Tochter Dariolette wiederzufinden, was ihm zunächst misslingt.
Sein Leben ist
verwirkt, wenn er die Frage, was Frauen am meisten lie-ben,
falsch
beantwortet. Gegen ein Heiratsversprechen verspricht eine Alte die
richtige
Antwort: Herrschsucht. Die Alte aber ist die verzauberte
Dariolette. –
Der erste Akt, in dem die Königin von drei Damen begleitet
wird und in
dem die Klage um die geraubte Tochter vorherrscht, erinnert erstaunlich
an
Mozarts Zauberflöte, für die Schikaneder sich
dramaturgisch sehr wohl
bei Hiller bedient haben könnte.
Vollständige
Partiturmanuskripte ungedruckter Opern
des 18. Jahrhunderts kommen extrem selten im Handel vor.
Ein
Vorläufer
der „Hochzeit des Figaro“
HILLER, Johann Adam (1728–1804). Operetta Lottchen am Hofe von J. A. Hiller. Partitur-Manuskript eines professionellen
Kopisten,
47 Bll. [um 1770], folio (35 × 22 cm); handrastriertes
Notenpapier (zwischen
ca. 18 und 24 Systeme) mit 95 sehr eng beschriebenen Seiten. Bll.
[1]-[5]:
Ouvertüre; Bll. [6]-[24]: Erster Act; Bll. [25]-[48]: Zweyter
Act.
Papier gebräunt, allgemeine Alterungs- und Lagerungsspuren (v. a.
an den
Rändern), Text jedoch gut lesbar.
Bestell-Nr.: 58/15 Preis: €
3.600,00
Eitner V, 147; OperaGrove
II, 719 u. III, 55; MGG/2 Bd. 8,1573 ff. – Uraufführung:
Leipzig, 24. April
1767. – Die Partitur ist nie veröffentlicht worden;
OperaGrove kann nur
drei Partitur-Abschriften nachweisen (Berlin, München,
Washington). Das
Werk war indes sehr populär, denn der Klavierauszug erlebte
zwischen 1769 und
1776 drei Auflagen, was sonst nur dem späteren Erfolgsstück Die
Jagd (1771)
vergönnt war. Neben den 77 verzeichneten Exemplaren des
Klavierauszugs dieses
späten Singspiels ist Lottchen am Hof denn auch das im
Druck am
stärksten repräsentierte (53 Exemplare, vgl. RISM H/HH
5269–5271). Der dazu
extrem kontrastierende Mangel an Partitur-Quellen muss in einem solchen
Fall durch
den vollkommenen Verschleiß derselben durch die vielen
Aufführungen erklärt
werden.
Lottchen am Hofe ist Hillers zweite Oper; sie
erschien sogleich nach Lisuart und Dariolette und war so
erfolgreich,
dass sie noch bis ins 19. Jahrhundert an deutschen Theatern gegeben
wurde. Die
Handlung beruht auf der opéra comique Ninette à la
cour nach einem
Libretto von Charles-Simon Favart, welche mit der Musik von A. R. Duni
1755 in
Parma uraufgeführt und für Hiller von Christian Felix Weisse
zu einem Singspiel
umgearbeitet worden war. Das von seinem Verlobten Jürge
enttäuschte Lottchen
geht an den Hof des Fürsten Astolph, der auch ein Auge auf das
kecke Geschöpf
vom Lande geworfen hat. Dort kommt es zu Verstrickungen, die durch die
»Zusammenarbeit« Lottchens mit Emilie, der Gattin Astolphs,
zur Bestrafung und
Läuterung des Fürsten sowie zur Verbindung
Lottchen-Jürge führt; manches Detail
lässt dabei an Figaros Hochzeit denken. Die immer wieder
gern genützte
Kontrastwirkung von Landbevölkerung und höfischem Leben
führte auch hier zu
manchen komischen Situationen, die Hiller mit vielen
volksliedähnlichen
Melodien verband. Das Ende wird, wie oft in jener Zeit, mit einem
ausgiebigen
Ballett gefeiert.
Italienische Motetten um 1800. Wertvolle Sammlung von 10 Motetten des
späten 18. und
frühen 19. Jahrhunderts in Partiturmanuskripten, gebunden in einem
hübsch
marmorierten Querfolio-Ktnbd. d. Z. mit Etikett Mottetti Diversi. Inhalt: MATTEI,
Stanislao. Motetto A due Soprani Per la SS:ma Trinità.
Del P[ad]re
Stanislao Mattei Di Bologna. 22 S. Partitur. – MORONI,
Umberto. Motetto
[recte: Tre Motetti] A due Soprani con Organo obbligato Composto Per S:
E: la
Sig:ra Livia Doria Dal Sig:re Maestro Moroni. In Roma 1809. 31 S.
Innentitel: Motetto Primo per l’Offertorio -Motetto Secondo
per
L’Elevazione. Canto Solo [con Organo obligato] – Motetto
Terzo per il
Postcomunio. Soprano Primo Soprano Secondo [con Organo obligato]. –
Ders.
(?) [Drei Motetten] Offertorio. Canto Primo [-Secondo, Organo]
– Per
l’Elevazione (gleiche Besetzung) – Per il
Postcommunio (gl.
Besetzung). 32 S. – MATTEI, St. Motetto A voce Sola
da cantarsi [con
Organo] Per la SS:ma Trinità. Del Padre, Maestro Mattei. 22
S. – BANDELLONI,
Luigi. Dilectus meus candidus. Mottetto per Soprano con
accompagnamento
d’Organo di Luigi Bandelloni. Copia originale Roma 1810. 11
S.,
offensichtlich Autograph. – PILOTTI, Giuseppe. Motetto
In trè Tempi
Del Sig: Maestro Pilotti Bolognese Da cantarsi Per la SS:ma
Trinità. 25 S.
Bestell-Nr.: 58/17 Preis: €
750,00
Interessante Sammlung mit
Partiturkopien und einem Autograph italienischer Kleinmeister, von
denen der
erste recht gut dokumentiert ist: Stanislao Mattei (1750-1825) trat in
den
Minoritenorden ein und wurde Schüler Padre Martinis in Bologna, wo
er 1770
Regens chori an San Francesco und 1794 Principe della Accademia
filharmonica
und Kapellmeister an San Petronio wurde. Von seinem reichen
Schaffen
verzeichnet Eitner allein für Bologna über 300 Werke in
Manuskript. Gedruckt
wurde jedoch nichts von ihm. - Umberto Moroni war zu Beginn des 19.
Jh.s in Rom
tätig (s. MGG XI, 747). - Giuseppe Pilotti war Schüler
Matteis in Bologna und
um 1830 Lehrer am Konservatorium zu Pistoia. - Über Luigi
Bandelloni scheint
nichts Biographisches bekannt zu sein.
KÜCKEN, Friedrich Wilhelm
(1810–1882). Eigenh.
Revers m. U., Berlin, 4. Oktober, 1837, über
die Verwertungsrechte zweier Lieder durch den Musikverlag Schlesinger
(Berlin).
1 S., 4to (26×22cm, Doppelbl.). Tinte schwach durchschlagend,
Brieffaltungen.
Sehr gut erhalten.
Bestell-Nr.: 58/19 Preis: €
250,00
Hochinteressantes Dokument
zur Vertragsgestaltung d. Z. mit einer ‚Ewigkeitsklausel’,
die bis heute und
noch bis zum jüngsten Tag gilt. Auf der Rückseite befindet
sich der
Kanzleivermerk mit gleichem Datum sowie dem Hinweis: Op. 20.
Wie der ein
Jahr später unterzeichnete Vertrag belegt (s. folgende Kat.-Nr.),
handelt es
sich um einen standardisierten Text. Hiermit verzichtet Kücken auf
alle
künftigen Ansprüche für die Zwei Lieder, op. 20,
deren Titel aufgeführt
sind und die er „auf immerwährende Zeit, für alle
Laender u. für alle
beliebige Arten von Arrangements zum unbeschränkten Verlag an den
Musikhändler“
– Martin
Schlesinger (1769-1838) – verkauft. Kücken „quittirt
zu gleich über den
richtigen Empfang des festgesetzten Honorars [Betrag ist leider
nicht
ausgewiesen] u. begiebt sich aller ferneren Ansprüche an dem
aus
vorbezeichneten Werke zu machenden Gewinn.“ –
Seit 1832 lebte Kücken
in Berlin und studierte bei Joseph Birnbach Musik; mit
derGeschäftsverbindung
hatte Schlesinger grundsätzlich den richtigen Instinkt:
„Nach Vollendung seiner
Studien beschäftigte er [Kücken] sich fleissig mit
Lieder-Compositionen, die
ungemein Beifall fanden“ (Ledebur).
KÜCKEN, Friedrich Wilhelm
(1810–1882). Eigenh.
Revers m. U., Berlin, 28. August 1838, über die
Verwertungsrechte an einem Heft Lieder Opus 23 durch den
Musikverlag
Schlesinger (Berlin). 1 S., 4to (25× 20,5 cm). Tinte etwas
durchschlagend,
Brieffaltungen. Sehr gut erhalten.
Bestell-Nr.: 58/20 Preis: €
250,00
Kücken veräußert „das
Eigenthumsrecht der Melodie folgender Compositionen [die Opuszahl
und die
Liedtitel folgen] auf immerwährende Zeit für alle
Länder und für alle
beliebige Arten von Arrangement zum unbeschränkten Verlag an den
Musikhändler
Herr Schlesinger“ [vermutlich noch Martin Schlesinger, der
am 11. November
d. J. verstarb]. Außerdem bestätigt Kücken „den
richtigen Empfang des
festgesetzten Honorars von 10 Loui d. und begiebt sich aller ferneren
Ansprüche
an dem, aus vorbezeichnetem Werke zu machenden Gewinn“.
Höchst informatives
Dokument zur Vertragsgestaltung d. Z. mit standardisiertem Text (s. die
gleichlautende Quittung in vorstehender Kat.-Nr.), der dem Verleger das
uneingeschränkte und über den Jüngsten Tag hinaus
reichende Besitzrecht
einräumte. Mendel rühmt 1876 Kücken als „einen der
populärsten Liedertondichter
der Gegenwart“.
LEO, Leonardo (1694-1744).Miserere Sig: L. Leo. Soprano. Choro 1mo [Alto, Tenore, Basso Choro 1mo; Soprano,
Alto,
Tenore, Basso Choro 2do; Organo]. Schönes
italienisches Manuskript
des 18. Jahrhunderts, 9 Stimmen mit zusammen 56 S. in folio, sehr gut
erhalten.
Bestell-Nr.: 58/23 Preis: €
450,00
Eine der berühmtesten und
verbreitetsten geistlichen Kompositionen des Scarlatti-Schülers
Leonardo Leo,
welche schließlich im Jahre 1806, 62 Jahre nach Leos Tod, von A.
Choron in
Paris als Musterbeispiel klassischer geistlicher Musik publiziert wurde
(RISM L
1971, nur 1 Ex. in D). Eine derartig lange Wirkungsgeschichte ist bei
heute
vergessenen Komponisten höchst selten und spricht freilich
für die Qualität
dieses in c-moll stehenden Werkes. Unser Manuskript hat eine reichere
Vortragsbezeichnung als der Erstdruck und im Gegensatz zu ihm eine
durchweg
bezifferte Orgelstimme. – Da es von Leo mindestens fünf
Miserere gibt, ist
nicht abzuschätzen, welche der in MGG zitierten
Miserere-Manuskripte das
unsrige (das „berühmte“) enthalten.
50
Seiten
Orchesterpartitur versus ½ Seite Poesie Leoncavallo wertet Kunst
nach dem
Papierverbrauch
LEONCAVALLO, Ruggero (1857-1919). Äußerst charakteristischer und
lan-ger eigenh. Brief
m. U. und Briefumschlag, Menton, 9. Juni 1902 an den Schriftsteller
Pierre Louÿs.
8 S. 8vo (20,4 × 26,1 cm), in brauner Tinte auf gelblichem
Papier, gefaltet.
Bestell-Nr.: 58/24 Preis: €
950,00
Um 1900 war Leoncavallo
wegen seines zu großspurigen Lebenswandels in Finanznöte
geraten. Anlässlich
der (nicht ausgeführten) Oper Aphrodite versucht er nun,
eine höhere
Gage gegenüber dem Autor der Romanvorlage, Pierre Louÿs,
durchzusetzen. Neben
der Aufteilung des Werkes in 33 % Text (Roman und Libretto) und 67 %
Musik (und
Verleger) dient selbst der größere Papierverbrauch als
Argument! Außerdem habe
auch Jules Massenet solche Konditionen erstritten: « Avant de
faire un
traité avec vous, bien qu’ayant déjà
écrit cinq opéras et connaissant bien les
offres qu’on peut faire, j’ai voulu m’adresser
à Mr. Massenet avec lequel je
suis très lié pour savoir comment il avait traité
pour Sapho et Thaïs. Voilà ce
qu’il m’a répondu. Voici ce qui s’est fait
pour Thaïs :
|
Au théâtre : |
- la moitié des droits (Part du musicien) |
|
|
-l’autre moitié a) auteur du
roman. |
b) auteur du livret. |
|
Chez l’éditeur: - Deux tiers
(part du musicien) |
|
|
|
- Un tiers a) auteur du roman |
b) auteur du livret |
[...] Vous voyez donc
qu’ici il n’est question que de droits à percevoir [...]
La différence
du partage des droits chez l’Editeur qui donne deux tiers au
maître s’explique
aussi. Cette clause ne veut pas dire que le maître empoche deux
tiers quand
l’auteur du roman et les librettistes ne partagent
qu’untiers. Il faut que vous
sachiez que le maître est obligé
d’intér-esser l’éditeur s’il veut
vendre
convenablement son ouvrage et une bonne partie de ces deux tiers va
dans la
poche de l’éditeur qui achète et souvent même
au maître il ne reste pas le 50
pour 100 auquel il a droit ! [...] Et sur ce prix que
l’Editeur donne
pour le poème le musicien n’a rien a toucher, comme aussi
bien l’auteur du
roman que les librettistes n’ont rien à recevoir sur le
prix de la musique […]
Il y a (a part l’inspiration musicale qui compte pour
quelque chose) une
différence énorme de travail manuel entre
les écrivains et les
musiciens qu’il faut pourtant régler !! - Quand vous avez
fait la chanson de la
petite joueuse de flûte dans Aphrodite vous avez rempli tout au
plus la moitié
d’une feuille de papier ! Eh bien cette simple petite chanson
représente au
moins cinquante pages de partition pour orchestre !!!!
Vous voyez
donc la différence de travail et par conséquent la
nécessité et la justice
d’une différence de partage. […]» -Kein
Wunder, dass nach diesem
Brief keine Einigung mit dem Lebenskünstler Pierre Louÿs
zustande kam: Die
Leoncavallo-Literatur bleibt schweigsam zu diesem Opernprojekt. Auch
die
Finanzmisere konnte Leoncavallo nicht beheben. Trotz einiger nicht
authentischer Kompositionsverfahren starb er in Armut.
Eine
Klaviersonate ‚Aus der Neuen Welt’
LOEWE, Carl. Eigenh.
Brief m. U., Stettin, 3. November 1854, an die Musik-verlags=Handlung
G.
Probst in Leipzig. 1 S., folio (28×22cm). Adressblatt (mit
Bearbeitungsvermerken der Verlagskanzlei); unbedeutende Blattverletzung
an der
Siegelstelle (Reste erhalten). Leichter Tintenschaden, dennoch sehr
schönes
Stück.
Bestell-Nr.: 58/28 Preis: €
700,00
Loewe bietet dem Verlag eine
neue Komposition an, indem er zunächst die dort erschienene Sonate
op. 48 von
Kalkbrenner lobt, da ihr Druck „Ihrer Offizin alle Ehre macht.
Wenn ich
nicht sehr irre, müssen Sie mit diesem schönen Werke ein
sicheres und solides
Geschäft machen, so daß Sie gewiß in jedem Jahr einen
schönen Absatz haben…
Auch ich lasse sie fleißig von meinen Eleven spielen,
die alle entzückt
davon sind.“ Er bietet ein originelles Werk an, das
Probst
eigentlich gar nicht mehr ablehnen kann: Es handelt sich um eine
programmatische Sonate. „Sie besteht aus 4 Sätzen,
welche den
Collectiv=Namen „Die Auswanderer“ tragen. Der erste Satz
heißt: „Abschied vom
Vaterland“ 2) Meerfarth, 3) Die Prairie, 4) Die neue Heimath.“
Allein
– Probst nahm das Werk nicht an; es erschien nach mindestens
einem weiteren
vergeblichen Versuch (s. den Brief in anschl. Katalog-Nr.) erst 1869
bei W.
Müller in Berlin unter dem neuen Titel: Vier Phantasien
für Pianoforte op.
137. Loewe schrieb mehrere große Sonaten mit programmatischem
Charakter (z. B. Der
Frühling – Eine Tondichtung in Sonatenform op. 47, oder
die Zigeuner-Sonate
op. 107b).
LOEWE, Carl. Eigenh.
Brief m. U., Stettin, 15. Juli 1858, an den Verleger C. F. W. Siegel in
Leipzig. 2 S., 8vo (22×14cm); unbedeutende Blattverletzung an der
Siegelstelle
(dieses ist vollst. erhalten). Tinte etwas durchschlagend, Papier
jedoch immer
noch sehr gut.
Bestell-Nr.: 58/29 Preis: €
600,00
Loewe schickt als Antwort
auf einen Brief Siegels seine „so eben componirte
,Liedergabe’ zu gefälliger
Edition“. Anschließend preist er seine Sonate Auswanderer
zur
Veröffentlichung an, wobei er dieses Mal eine andere Strategie
verfolgt, als
zwei Jahre zuvor beim gleichen Angebot an Breitkopf & Härtel: „Die
Klavier=Litteratur hat eben nichts Hervorragendes, deshalb schlage ich
Ihnen
vor, meinen ‚Auswanderer’, Tondichtung in 4
Abtheilungen“. Er könne sie „gelegentlich
zusenden“. Aber auch ein neues Sammelwerk sei im Entstehen: „Im
Laufe
dieses Sommers werden 3 neue Balladen fertig“, wobei es sich
um das Opus
129 handelt (Der Teufel; Der Nöck; Die
Schwanenjungfrau).
Siegel ging jedoch auf keines der Angebote ein: Die Auswanderer sind
als
op. 137 erst 1869 bei W. Müller in Berlin erschienen, und die drei
Balladen
wurden 1860/61 bei Schlesinger(ebd.) mit der Opuszahl 129
veröffentlicht. Für
die Liedergabe konnte sich Siegel ebenso wenig erwärmen:
Auch sie wurde
1860 bei Schlesinger (op. 130) verlegt.
MARX, Adolph Bernhard (1795–1866). Eigenh. Brief m. U., Berlin, 15. August 1859,
an einen
Verleger (Hochgeehrter Herr!). 4 S., klein-folio
(27,5×22cm, Doppelbl.).
Tinte etwas durchscheinend; Brieffaltungen. Insgesamt sehr
beeindrukkendes
Dokument eines äußerst disziplinierten Schreibers.
Bestell-Nr.: 58/32 Preis: €
600,00
Marx teilt auf eine
entsprechende Anfrage mit, dass er dem Adressaten „mit dem
grössten
Vergnügen [...] das Manuscript meines neuen Werkes
(Vollständige
Chorschule) zusenden [würde], wenn es nicht bereits an
meinen
diesseitigen Verleger, Breitkopf & Härtel, abgeliefert und in
diesem
Augenblicke wahrscheinlich schon in den Händen der Druckerei
wäre“ (das
Buch ist 1860 erschienen). Offenbar war er von einer an den
Gedankengängen
interessierten Person angesprochen worden, denn nun breitet Marx auf
ca. 3½
Seiten („... unter der Bedingung über denselben
Verschwiegenheit zu
beobachten“) den Inhalt seiner Abhandlung aus, wobei er
mehrmals die
Neuartigkeit des Lehrbuches herausstellt. Demnach bestehe das Werk aus
drei
Teilen: I. Das Lehrbuch (grundlegende Erörterungen der
Lehrer- und
Schülerausbildung, Stimm- und Sprachbildung, besonderer Augenmerk
auf dem
Vom-Blatt-Singen); II. Das Uebungsbuch, das zu allen Aufgaben
des I.
Teils „die erforderlichen Uebungssätze“ in
Partitur und Stimmen enthält:
„Eine methodische Sammlung von solchen
Uebungssätzen (die offenbar so
wichtig sind, wie die Etüden für den Pianisten) hat es bis
jetzt noch nicht
gegeben, weil man noch nie methodische und vollständige Tonbildung
unternommen
hat; III. Sammlung von Chören“, darunter
Einzelsätze „aus theils
unbekannten, theils nicht leicht zugänglichen und in ihrer
Vollständigkeit
nicht ausführbaren Werken in Partitur und Stimmen“;
dieser Teil sei „nicht
blos für die Chorschule nothwendig, sondern für alle
Singvereine verwendbar, ja
ein in Deutschland oft gefühltes Bedürfniss“. Marx
übergeht dabei elegant
die Tatsache, dass es ähnliche, wesentlich ältere
Ansätze, wie z. B. die Gesangsbildungslehre
von Nägeli und Pfeiffer (1810), schon vor ihm gab.
OFFENBACH, Jacques (1822–1880). Eigenh. Musikmanuskript mit Skizzen und einer
Kammermusik-Komposition, o. O, undatiert, o. U. 3 S. in querfolio.
Doppelbl.
mit maschinenrastriertem Notenpapiers (12 Systeme, o. Wasserzeichen):
S. 1:
einige flüchtige Notenskizzen; S. 2+3: Reinschrift einer
Komposition, dienicht
zu Ende geschrieben ist; die letzte Seite ist unbeschrieben.
Außenseiten etwas
gebräunt und fleckig (oberer Blattrand unerheblicher Einriss);
Bereich der
Niederschrift hingegen sehr gut.
Bestell-Nr.: 58/37 Preis: €
1.900,00
Es handelt sich um ein
ausgedehntes, immerhin über 100 Takte ausgeführtes Stück
für Violoncello mit
Klavierbegleitung, das nach weiteren nur im Cello notierten Takten
abbricht.
Das Stück hat Polka-Charakter; die Notation ist in Akkoladen zu
drei Systemen
ohne Instrumentenhinweis angelegt: oberes System (Cello) vorwiegend im
Bassschlüssel, die beiden anderen Systeme in Klaviernotation;
keine Tempoangabe
oder sonstige Charakterisierung, D-Dur. Eine Zuordnung scheint nicht
möglich;
die Komposition bewegt sich in engen diatonischen Grenzen und ist auch
melodisch und rhythmisch einfach gehalten. – Die Notenskizzen auf
S. 1 haben
mit diesem Stück offensichtlich nichts zu tun.
PAISIELLO, Giovanni (1741–1816). Nell oratorio della Passione, nella Seconda
Parte. Musica del Sig. D.
Gio: Paisiello. Partitur
eines professionellen Kopisten neapolitanischer Herkunft, offensichtl.
1816
geschrieben, mit autographen Zusätzen des Komponisten, 112
Bll.
handrastriertes Papier mit 10 bis 12 Systemen, querfolio; grüner
HPgtbd. des
frühen 19. Jh.s, marmorierter Bezug. Leicht bestoßen und
berieben; Notenteil
völlig frisch.
Bestell-Nr.: 58/38 Preis: €
2.800,00
Robinson 3.02. – Die Kopie
enthält eine Auswahl von insgesamt sechs (bzw. sieben) Nummern aus
dem 2. Teil
des Oratoriums La Passione di Gesù Cristo in der 2.
Fassung von 1816.
Eine erste Version hatte Paisiello 1782/83 nach einem Libretto von
Pietro
Metastasio komponiert; sie wurde im März 1783 in St. Petersburg
uraufgeführt.
Da das Papier sich zwischen den Stücken leicht unterscheidet,
dürften die Teile
zunächst einzeln, wenn auch nahezu gleichzeitig und vermutlich von
dem selben
Kopisten angefertigt worden sein. Zur Autorisierung hat Paisiello
selbst
jeweils die Titelzeile [Nell oratorio della Passione, nella Seconda
Parte.
Musica del Sig. D. Gio: Paisiello] über der ersten
Partiturseite jeder
Nummer eingefügt. Ferner gibt es offensichtlich autographe
Korrekturen und
weitere Zusätze auf den Blättern 86 u. 89.
Inhalt: [fol. 1-26] Aria (Pietro: Se
a librarsi Nr. 34 bei Robinson). 51 S.; mit Ob/Klar/Fg. soli,
Hr.1-2, Str.;
[fol. 27-36] Aria (Pietro: Se la pupilla; Robinson: Nr. 31). 19
S.; mit
Klar.1-2, Fg.1-2, Hr.1-2, Str.; [fol. 37-52] Aria (Giuseppe: All‘
idea de
tui perigli; Rob. Nr. 30). 31 S. (mit Ob.1-2, Fg.1-2, Hr.1-2,
Str.); [fol.
53-66] Aria (Maddalena Ai passi erranti; Rob. Nr. 33). 27
S.(mit
Klar.1-2, Fg.1-2, Hr.1-2, Str.); [fol. 67-84] Aria (Giovanni: Dovunque
il
guardo; Rob. Nr. 32). 35 S. (mit Ob.1-2, Fg.1-2, Hr.1-2, Str.);
[fol.
85-112] Rec. acc. e Quartetto (Maddalena, Pietro, Giovanni &
Giuseppe: Ah!
Del felice und Compisti il tuo delitto; Rob. Nr. 28 + 35).
8+47
Bll., mit Str. bzw. Ob.1-2, Klar.1-2, Fg.1-2, Hr.1-2, Str.
Nach Warschau (April 1784)
und Wien (30. Mai 1784) lassen sich bis kurz vor des Komponisten Tod
zwar keine
Aufführungen mehr nachweisen, doch gehört das Oratorium
offensichtlich zu
dessen bekanntesten Werken (Robinson listet europaweit zahlreiche
Abschriften
der Erstfassung auf). Für Neapel (Aufführung am 31. März
1816) nahm Paisiello
einige Veränderungen vor, und von dieser Version sind außer
dem Autograph keine
Gesamtabschriften und nur fünf Kopien einzelner Stücke
bekannt. Der vorliegende
Band dokumentiert somit die umfangreichste Teilkopie der kaum
überlieferten
Zweitfassung.
PERGOLESI, Giovanni Battista (1710-1736).Missa A Cinque concerta. Del Signore Giov:
Battista
Pergolesi. Sehr schönes
Partiturmanuskript der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts,
wahrscheinlich deutscher
Provenienz, 1 Bl. Titel, 141 S. in folio, nur ganz leicht fleckig,
marmorierter
Pappband d. Z. – Der Band ging irgendwann durch die Hände
von François
Joseph Fétis und trägt auf der Innenseite des
Umschlags seinen Vermerk: „Cet
ouvrage n’a jamais été publié, il en existe
des copies dans plusieurs Grandes
bibliothèques. Fétis.“
Bestell-Nr.: 58/39 Preis: €
950,00
Eitner VIII, 367; Opera
omnia XV/2:1; Paymer Nr. 46 (S. 14); RISM (Ms) 48462, 162649
(beide
Bergamo) u. 720000366 (Brüssel); MGG/2, XIII, 312. – Eitner
nennt eine Missa
5 voc. in D-Dur, die mit der vorliegenden identisch sein
dürfte, da nur
eine 5-stimmige D-Dur-Messe unter Pergolesis Namen bekannt ist; Eitner
weist
drei Exemplare nach, wobei möglicherweise nur noch das Wiener
Manuskript
vorhanden ist (ob das Königsberger Exemplar noch existiert und das
der Berliner
Singakademie zu den Rückführbeständen gehört, ist
z. Zt. nicht ersichtlich).
Die RISM-Handschriftendatei nennt drei weitere Quellen (Bergamo,
Brüssel, s.
o.). Marvin E. Paymer rechnet das Werk unter die Doubtful Works,
doch
gilt es inzwischen als eine authentische Messe (Francesco
Degrada in
MGG/2). Nicht ganz klar ist indes die Fassung; unser Manuskript stimmt
mit den
Sätzen b, c, d, e, f, g und h in der von Paymer angegebenen
Aufstellung
überein, die indes nicht die drei bei Degrada angegebenen
Fassungen
repräsentieren. Die Identität des Satzes a (Kyrie) ist durch
die drei
RISM-Quellen auch für unser Manuskript gestützt, das deshalb
als vollständige
Quelle anzusehen ist. Ursprünglich könnte das Manuskript
deutscher oder
österreichischer Provenienz sein, da auf S. 87 und 107 die
deutsche
Schreibweise Pausen vorkommt. Die Messe ist für Cantus
und Altus Soli,
5-stimmigen Chor (S, S, A, T, B), 2 Oboen, 2 Hörner, Streicher und
Orgel
gesetzt, wobei die Streicher stellenweise in primo Coro und 2do
Coro aufgeteilt
sind; Grundtonart ist D-Dur. Vollständige Messen Pergolesis wurden
vor 1800
nicht gedruckt; die in RISM nachgewiesenen einzelnen Messe-Sätze
sind nicht mit
den unsrigen identisch. – Die D-Dur Messe ist Pergolesis erster
Beitrag (von
nur zwei) zu dieser Gattung und entstand wohl 1731. Die Erstfassung des
erst
einundzwanzigjährigen Komponisten (nur Kyrie und Gloria) gilt als
„noch nicht
ausgereifte Komposition“ (MGG/2), doch wurde sie von Pergolesi
mehrfach
nachgebessert und ist im vorliegenden Manuskript eindeutig vom Charme
seiner
melodischen Erfindung und von der erstaunlichen Qualität seines
kontrapunktischen Satzes geprägt.
RAFF, Joachim (1822–1882). Eigenh. Brief m. U., Wiesbaden, 17. November
1870, an
den Verleger Robert Seitz in Leipzig. 2 S., 8vo (22×14,5cm).
Schwache
Brieffaltung (mit unbedeutendem Einriss), am Falz etwas brüchig,
sonst von
guter Erhaltung. Auf S. 4 ein Bearbeitungsvermerk der Verlagskanzlei).
Bestell-Nr.: 58/44 Preis: €
180,00
Raff beklagt sich, dass „noch
immer [...] die Notenstecherei Roeder die Revision des IV.
Trios nicht
an mich eingesandt“ habe. „Würden Sie wohl so
gut sein, denselben
alsbald nach Empfang meines Gegenwärtigen nochmals dringlichstens
zu erinnern?“
Die Herstellung muss dennoch ziemlich stockend verlaufen
sein, da das Große
Trio D-Dur, op. 158, erst im August 1871 erschien (s.
Müller-Reuter I, S.
423). Dies hatte Raff wohl geahnt: „Da Sie nun noch das Trio
N° IV zu ediren
haben, welches Sie unter den gegebenen Umständen sobald nicht
bringen können,
so sende [ich] Ihnen vor Ostermesse Nichts neues. Können
Sie aber für
nächsten Winter ein Charakterstück für Orchester, etwas
für Klavier und ein
paar kurze Lieder, also 3 Opera, als kleine Nova=Sendung zusammen
bringen, so
will ich ganz auf Sie Bedacht nehmen.“ – R.
Seitz (1837–1889) hatte
seinen Verlag 1866 (nicht 1878, wie bei Frank-Altmann) gegründet.
Nach op. 156
war hier als Raffs zweites Werk besagtes Klaviertrio herausgekommen,
dem noch
eine ganze Reihe weiterer Kompositionen folgten (darunter die
Klaviersuite op.
163, die Klavierstücke op. 166 und die 8 Gesänge op. 173, die
möglicherweise im
Brief gemeint sind); als sein bedeutendstes Werk ist hier 1873 die
Sinfonie Nr.
5 »Lenore« (nach Bürgers Ballade) veröffentlicht
worden.
Alphonse
Leduc: der rüpelhafteste Verleger
RAVEL, Maurice (1875-1937). Eigenh. Brief m. U., Megève, 25.
Januar 1919, an einen
befreundeten Kollegen (Cher ami), 4 S. 8vo (18 × 22,7 cm),
in brauner
Tinte auf gelblichem Papier, gefaltet.
Bestell-Nr.: 58/45 Preis: €
1800,00
Ravel beschwert sich über
die bürokratischen Hürden der Société
Nationale de Musique (der
damaligen Pariser Organisation für zeitgenössische
französische Musik) und über
das Benehmen des Verlegers Alphonse Leduc: « Je croyais vous
l’avoir dit : je
n’ai jamais songé à soupçonner la
loyauté de mes confrères et de vos collègues
de la Ste. Nationale, ni la vôtre, bien entendu, au sujet de
cette affaire. La
preuve en est – il vous est facile de vous en assurer –
que, au cours d’une
discussion assez vive avec Demets, je lui annonçai mon intention
de prévenir
votre comité, qui pouvait l’ignorer, que
c’était contre mon gré que «
l’Alborada », destinée par son auteur aux concerts
Pasdeloup, pouvait, par la
volonté seule de son éditeur, être
exécutée à la Nationale. Et il était
convenable que le premier prévenu fût Rhené
Bâton. Si, comme vous semblez le
croire, il subsistait le moindre malentendu entre vos collègues
et moi au sujet
de tout cela, je vous prierais de les mettre au courant et de leur
confirmer ce
que je viens de vous dire. Je ne vois aucun inconvénient
à ce que ma «vocalise»
soit chanté à la Nationale. Je n’en verrais
qu’un : si l’interprète avait une
voix de soprano ; car cette vocalise est écrite pour
mezzo-contralto ou
contralto. Si cette pièce est éditée, c’est
chez l’éditeur le plus décidément
muffle qui soit. Vous avez deviné que c’est Alphonse
Leduc.Il y a des années
que j’ai donné le bon à tirer: Je n’ai jamais
plus entendu parler de rien
depuis. Vous serez le premier qui me donnerez des nouvelles de cette
pièce...»
Vocalise-étude (en forme de
Habanera) wurde
bereits 1909 von Leduc publiziert; letzterer dürfte es aber
versäumt haben, dem
Autor Belegexemplare zu schicken.
REGER, Max. Eigenh.
Brief m. U., Oberandorf bei Rosenheim, Oberbayern, 1. Sept.
1910, an
einen ungenannten Adressaten (Sehr geehrter Herr Dr.!). 3 S.,
8vo
(22×14cm, Doppelbl.). Brieffaltung (etwas brüchig, rechts
unbedeutender
Einriss). Tinte schwach durchscheinend, sonst gut erhalten.
Bestell-Nr.: 58/47 Preis: €
650,00
Ein hochinteressantes
Dokument, mit dem Regers Selbstbewusstsein und sein sprunghafter
Schreibstil
festgehalten werden: Der ganze Brief besteht aus einer Auflistung von
bereits
veröffentlichten bzw. in absehbarer Zeit erscheinenden Werken.
Dabei fragt er
mehrfach den Adressaten: „Kennen Sie schon meine ...“
(folgt
Titel mit Verlagsangabe), oder er schließt die Aufforderung an: „Sehn
Sie
Sichs mal an!“ Es handelt sich um so verschiedene Werke,
dass auf den Beruf
des Adressaten nicht geschlossen werden kann (evtl. Pianist oder
Dirigent). –
Im Verlauf des Briefes bezeichnet er Die Nonnen op. 112 als „das
‚katholische’ Gegenstück zum 100. Psalm“ [op.
106].
Brahms’
‚Haydn-Variationen’: Alptraum oder Anregung?
REGER, Max. Eigenh.
Brief m. U., Meiningen, 28. Dezember 1913, an den Verleger Simrock (Sehr
geehrter Herr Regierungsrath!), 2 S., groß-4to (27,5×
21,5 cm, 1 Bl.), mit
mehreren Musik-Zitaten. Tinte leicht durchscheinend. Lochung
für
Aktenordner und Brieffaltungen, sonst sehr gut erhalten.
Bestell-Nr.: 58/48 Preis: €
1.750,00
Der Brief beschäftigt
sich
mit Hinweisen zur Instrumentierung des Heine-Liedes Aus den
Himmelsaugen op.
98 Nr. 1 (original aus Fünf Gesänge mit Klavierbegleitung)
und mit
des-sen Druck; zugleich dokumentiert das Schreiben eine
verblüffende Sprunghaftigkeit
der Gedanken. Zunächst bestätigt Reger „den Empfang
der 100 M.“ für
diese Arbeit. Er wünscht die Veröffentlichung der Partitur in
einem „Format,
wie Sie es bei der Partitur der Haydnvariationen für Orchester von
J. Brahms
haben“. Dann lobt er den Adressaten, „daß Sie
auch Ihre Correspondenz
sogleich erledigen; ich thue es auch immer sobald ich nur
einigermaßen Zeit
dazu habe!“ Im nächsten Satz erklärt er
plötzlich anhand einiger
eingefügter Notenbeispiele ein Detail der Instrumentierung, worauf
er auf eine
Einzelheit für den Stich eingeht und entschuldigend meint: „Ich
bin in
solchen Dingen sehr ängstlich.“ Dann kommt er wieder
unvermittelt auf die Haydn-Variationen
zu sprechen: „Hätte Brahms seine
Orchesterstimmen deutlicher bezeichnet
mit marc. espress., so wäre manche ‚verworrene’,
‚unklare’ Aufführung vermieden
worden.“ Sogleich bricht Reger erneut ab und meint: „Darüber
mal
mündlich.“ Es folgen die Schlussformel und eine
Nachschrift, in der
er erneut auf das „Partiturformat der Brahms’schen
Haydnvariationen“ eingeht.
Den Text des Orchesterliedes könne man übrigens „auch
englisch [...] bringen“.
Ende 1913 dürften in Regers Geist bereits die 1914 erschienenen
Mozart-Variationen (op. 132) herangereift sein, weshalb sich das
manische
Kreisen um Brahms’ Vorbildwerk in die-sem Brief bestens
erklärt. Großartiger
Brief von besonderem Wert. – Der publizierte Text dieses Briefes
(in Max
Reger, Briefe an den Verlag N. Simrock, hrsg. v. S. Popp, Stuttgart
2000)
basiert auf einer Abschrift und weist zahlreiche Abweichungen auf.
SCHÖNBERG, Arnold (1874–1951). Maschinenschriftl. Brief m. eigenh.
Unterschrift,
Chautauqua (N.Y.), 20. 8. 1934, an Carl Engel (Schirmer-Verlag, New
York). 2 S.
groß-4to. Leicht gebräunt, gefaltet; autographe
Unterstreichungen mit Rotstift
u. maschinenschriftl. Ergänzung mit rotem Farbband.
Bestell-Nr.: 58/52 Preis: €
1.800,00
Außerordentlich
umfangreiches Schreiben des Komponisten, der sich meistens kürzer
fasste. Doch
hier ging es um lebenswichtige Verhandlungen über die
Veröffentlichung seiner
Werke in Amerika und die daraus resultierenden Einnahmen. – Nach
seiner
Kündigung als Professor für Komposition in Berlin ging
Schönberg zunächst nach
Frankreich (hier trat er wieder dem jüdischen Glauben bei). Seit
Ende Oktober
1933 lebte die Familie Schönberg in Amerika (Boston), im
nächsten Sommer für
zwei Monate in der Chautauqua Institution (Zentrum für Religion,
Erziehung und
Künste), bevor sie ab September 1934 ihre endgültige Wohnung
in Los Angeles
bezogen. Schönberg wandte sich an einen der größten
Musikverlage der USA (1848
gegründet) und erläuterte zunächst die
Geschäftsbedingungen, wie er sie aus
Österreich kannte; das Schreiben ist somit nicht nur ein
zeitgeschichtliches
Dokument, sondern gibt außerdem detaillierte Auskünfte
über die Rechte eines
damaligen Komponisten: „... vom Notenverkauf 15% vom
Ladenpreis, von
Orchestermaterialien und Aufführungsgebühren 10%, das Recht
über mechanische
Vervielfältigungen zu verfügen blieb mir gewahrt, die Anteile
wurden 50:50
geteilt; künftige, heute nicht vorhersehbare Rechte waren ebenso
mir
vorbehalten. Bei Uebergabe des Werks erhielt ich einen Vorschuss auf
meine
künftigen Einnahmen, der in der letzten Zeit meistens von den
ersten 1500–2000
Exemplaren berechnet wurde. Bei Orchesterwerken wurden die ersten
50–100
Aufführungen zugrunde gelegt.“ Im Folgenden
bietet Schönberg seine
Bearbeitungen barock-frühklassi-scher Kompositionen von Mathias
Georg Monn und
G. F. Händel an und versichert vorsichtshalber: „...
die Stücke sind
vollkommen tonal und überschreiten die Harmonik Brahms selten und
nicht
wesentlich.“ Des weiteren möchte er bereits
veröffentlichte Werke
neu herausgeben, soweit sie nicht durch das Copyright geschützt
sind. „Fertig
habe ich ausserdem nur noch ein kleines Heft Lieder [vermutlich
op. 48],
aber wie Sie wissen, ist meine Oper ‚Moses und Aron’ der
Vollendung nahe [!]
und ein theoretisches Werk ist ebenfalls auf dem Weg
ist“ [wahrscheinlich
ist Models for Beginners in Composition gemeint, das
allerdings erst
1942 abgeschlossen worden ist]. Schönberg dachte im Übrigen
nicht an eine
größere Summe, sondern zielte auf eine monatliche Zahlung (300
Dollar).
– Bei Schirmer sind u. a. erschienen: Ode an Napoleon,
die Kammersinfonie
op. 38, die Orchesterfassung der Kammersinfonie op. 9 und die
Bearbeitung
des Violoncellokonzerts von Matthias Monn.
Ein Geburtstagsgeschenk für Clara
Schumann
drängt seinen Verleger zum Druck des ‚Spanischen
Liederspiels’
SCHUMANN, Robert (1810-1856).Sehr inhaltsreicher und charakteristischer
eigenh.
Brief m. U., 18. 8. 1849, an Bartholf Senff (Kistner’sche
Musikhandlung) in
Leipzig, 1 S. gr.-8vo (19,5×13cm), etwas gebräunt.
Bestell-Nr.: 58/53 Preis: €
3.800,00
“Eine Bitte
hab’ ich. Zum
Geburtstag meiner Frau (Mitte nächsten Monates) möchte ich
ihr gerne das
Spanische Liederspiel mitbescheren. Können Sie ein Exemplar bis
vor dem 10ten
September fertig bringen? - Vielen Dank für Ihre Bemühungen
wegen des
Opernbuches. Der Verfasser wird ihn wohl schicken. Ein
Jugendliederalbum ist
schon im Stich (bei Breitkopf i. L.[eipzig]). Zu 4händigen Märschen
hätte ich wohl
nicht Lust; doch ist es schwer auf den Schubert’schen. –
Vom Titel des Span.
Liederspiels senden Sie mir noch eine Probe […]“
Claras Geburtstag fiel auf
den 13. September. Schumann rührte sich sehr zeitig, um ihr eines
der schönsten
denkbaren Geschenke zu ihrem 30. Geburtstag zu präsentieren: das Spanische
Liederspiel op. 74 (Aus dem Spanischen von E. Geibel), 9
Lieder für
ein bis vier Stimmen mit Klavier, das Schumann in nur fünf Tagen
zwischen dem
24. und 28. März 1849 hingeworfen und in dem er das Kolorit und
den Frohsinn
der Vorlage so meisterhaft eingefangen hatte! Auf dem Gebiet der
Vokal-Kammermusik fühlte sich Schumann nun wohl und erfolgreich,
weshalb er das
mühselige Geschäft von 4-händigen Märschen vorerst
ablehnt, denn diesbezüglich
betrachtete er Schubert als unerreichbares Vorbild. – Schumann
erwähnt ferner
das Opernbuch, womit Genoveva gemeint ist, an der er
noch bis zum
Frühjahr 1850 arbeiten wird, und das Liederalbum für die
Jugend op. 79,
das 28 Lieder des besonders fruchtbaren Jahres 1849 enthält.
Während er daran
arbeitete, brach in Dresden die Revolution aus. Die Stadt brannte
– doch Robert
schrieb derweilen das Frühlingslied in Maxen, wohin er
sich mit der
Familie geflüchtet hatte! Die Revolution brachte allerdings sein
demokratisch
fühlendes Blut doch noch in Wallung: Opus 76 wurde eine Sammlung
von – Märschen,
die seine Freunde hinter vorgehaltener Hand Barrikaden-Märsche
nannten!
Selten kommen
Schumann-Briefe im Handel vor, die einerseits so zentral auf die
Beziehung zu
Clara eingehen, und andererseits so viele wichtige Werke erwähnen.
Aus der
Sammlung von Prof. William Meredith, San Jose (Kalifornien).
Dem
Kurfürsten von Bayern gewidmete Orchester- und Streichquartette
STAMITZ, Karl (1746–1801). Six Quatuors. No. 35. 36. 37. 38. 39. 40. a
Deux
Violons, Viole e Violoncell. Dont deux à grand Orchestre, deux
Concertans et
deux dont les premieres parties peuvent Sejouer [sic] par une Flaute [sic],
Hautbois,
Violon, ou Clarinette Dediés A son Altesse Electorale Maximilian
Joseph, Duc de
Baviere, Archi=Echanson de l’Empire etc: etc: Compeses [sic]
et mis au
jour Par Charles Stamitz Prix 10tt 10s. Se Crouvent [sic] à
Strasbourg
chez l’Otuteur [sic] avec Privilege Exclusiv du Roy.
Handschriftl.
Stimmensatz, vermutlich um 1774, groß-folio: Vl.1 (8 Bll., mit
ganzseitiger
Widmung), Vl.2 (8 Bll.), Va (7 Bll.), Basso (7 Bll.) mit
zusammen 54
beschriebenen Seiten auf handrastriertem Notenpapier (18 Systeme) in
Umschlag
(mit dem Titelblatt; unterer u. rechter Rand sowie am Falz etwas
schadhaft, Basso-Stimme
mit Feuchtigkeitsrand).
Bestell-Nr.: 58/57 Preis: €
1.250,00
Wertvolle Sammlung mit sechs
Werken (Tonarten: C, G, D, F, B, A), die abwechselnd die Gattungen
Orchesterquartett, Streichquartett und Quartett mit Solobläsern
bedienen. Die
Sammlung erschien 1774 erstmals in Straßburg (RISM S 4481) und
wurde in ganz
Europa nachgedruckt, was ihren durchschlagenden Erfolg auf dem
Höhepunkt von
Stamitz’ Karriere belegt. Zwischen 1772 und 1775 war Stamitz
zumeist auf
Konzertreisen und hielt sich dabei auch in Straßburg auf, wo er
diese Quartette
im Selbstverlag herausgab. Eine Reihe von Schreibfehlern im Titeltext
unseres
Manuskripts und viele Abweichungen in deren Stimmenbezeichnung werfen
die Frage
auf, ob unser Manuskript eine Abschrift der Erstausgabe ist, oder ob
sie auf
einer unabhängigen handschriftlichen Tradition parallel zu
den Drucken
beruht. Auf letzteres lässt die Tatsache schließen, dass die
Kopfzeile der
Stimme der Ersten Violine wesentlich genauer auf die unterschiedlichen
Besetzungen hinweist als im Erstdruck: Quartetto I d’Orchestra;
Quartetto
II Concertante; Quartetto III Violino, Oboe, Flauto, Clarinetto
solo;
Quartetto IV d’Orchestra; Quartetto V concertante;
Quartetto
VI. Im Erstdruck fehlen für die Quartette III und VI die
Alternativbesetzungen Violino, Oboe, Flauto, Clarinetto solo,
was ein
gewissenhafter Kopist nicht aus freien Stücken hinzufügt.
Auch die Ergänzung
des „35“ oben auf dem gedruckten Titelblatt zu „No.
35. 36. 37. 38. 39. 40.“
auf unserem Manuskript läßt sich nicht aus der
Eigeninitiative eines
Kopisten erklären. Wie Mozart und andere freie Virtuosen
befand sich
Stamitz öfter in Geldverlegenheiten (Straßburg musste er
nach etlichen Schulden
Hals über Kopf den Rücken kehren…). Es ist eher
anzunehmen, dass der sich knapp
bei Kasse befindliche Stamitz kurz vor oder während des Stiches
einige
handschriftliche Kopien seiner neuesten Sammlung in Umlauf brachte und
„versilberte“. Dies würde einem Bericht Chr. Fr. D.
Schubarts in der Deutschen
Chronik vom 20. Juni 1774 entsprechen, der eine Quartettserie zur
Subskription ankündigt, die Stamitz in ebendiesen
Besetzungsvarianten plane und
die nur die unsrige sein kann. Stamitz kam gerade von Wien und
konzertierte
offensichtlich zunächst in München; dort dürfte er mit
den ersten Quartetten
des vorliegenden Opus solchen Eindruck gemacht haben, dass der
Kurfürst von
Bayern die Widmung akzeptierte (und wohl auch bezahlte), bevor das Opus
komplett vorlag. Augsburg war die nächste Station, von wo aus
Schubart die im
Entstehen fortschreitende Sammlung zur Subskription ankündigte.
Auf dem Rückweg
nach Paris, wo Stamitz sich 1775 wieder aufhielt, ließ er die
inzwischen
vollendete Serie in Straßburg handschriftlich kopieren und dann
auch drucken.
Ich danke
Herrn Richard Chesser von der British Library London, der mir
freundlicherweise
Aufnahmen der Erstausgabe zum Vergleich übermittelte.
Aus
Wagners
Pariser ‚Sklavenzeit’
WAGNER, Richard (1813–1883). Quittung von Schreiberhand in
französischer Sprache
mit Wagners eigenhändiger Unterschrift, Paris, 6. April 1842,
für den Verleger
Maurice Schlesinger ebd. 1 S., 4to (26×20,5cm, 1 Bl.).
Ausgeprägte Faltungen;
Tinte schwach durchschlagend.
Bestell-Nr.: 58/59 Preis: €
3.400,00
WWV 62E. – Es handelt sich
um ein außerordentlich aufschlussreiches Dokument, mit dem sich
ein Teil von
Wagners Tätigkeit während seines Paris-Aufenthaltes (vom 17.
September 1841 bis
zum 7. April 1842) als Arrangeur nachweisen lässt (Transkribierung
s. WWV, S.
219). Hier geht es um Halévys Oper La Reine de Chypre (Uraufführung:
Paris, 22. Dezember 1841), von der er laut dieser Quittung einen
Klavierauszug,
drei Suites für Klavier und Flöte oder Violine ad
libitum bzw. zwei Suites
für zwei Violinen sowie eine Fassung für Klavier zu
vier Händen anfertigen
sollte; außerdem wurde noch ein Honorar für das
Korrekturlesen der Partitur
festgelegt: «Je reconnais avoir arrangé pour M.
Schlesinger la Reine der
Chypre […] à savoir: 1. Partition Piano et Chant
300 [Francs]. 2.
Partition Piano solo avec acc. De flûte ou Violon ad libitum 200.
3. en Quatuor
pour 2 Violons, Alto et Vlle ou flûte. 3 Suites, chaque 75, 225. 4.
pour deux
Violons. 2 Suites 200. 5. Partition à 4m. 200. pour les
Corrections de la Grande
Partition 300. [Summe:] 1425.
et j’ai reçu de lui la dite somme […] m’engageant
sur l’honneur de lui envoyer d’ici à deux mois au
plus tard les arrangements en
Quatuor et à 4 mains que je n’ai pu finir pendant mon
séjour à Paris.» Für
die gesamte Arbeit waren demnach 1425 Francs ausgezahlt worden, obwohl
zwei der
sechs Posten noch ausstanden. Die Handschriften der Bearbeitungen sind
verloren, WWV weist aber fünf gedruckte Ausgaben nach (s. dort, S.
217). Wagner
selbst erinnerte sich nur ungern an diese Arbeiten, zumal es sich um
„Brotarbeit“, noch dazu für einen jüdischen
Verleger gehandelt hat. In einem
Brief an Theodor Uhlig behauptet er, die bei der Abreise von Paris noch
ausstehenden Arbeiten nicht gemacht zu haben; dies stimmt zumindest
für das Quartettarrangement
nicht, das im November 1842 als erschienen angezeigt wurde. Das ganze
Geschäft
muss als großes Entgegenkommen Schlesingers betrachtet werden;
dieser brauchte
nicht unbedingt einen Wagner für Arbeiten, zu denen sich Dutzende
aus dem
Pariser Musiker-Proletariat drängten. Dass Schlesinger auch die
noch nicht
ausgeführten Arbeiten bezahlte und damit bei der ihm bekannten
Abreise Wagners
das Risiko einging, sie nie zu Gesicht zu bekommen, ist schon
erstaunlich, wenn
man bedenkt, mit welchem Hass jüdische Verleger und Musiker von
manchen
„arischen“ Kollegen bedacht wurden. (Siehe dazu
beispielsweise meine Kataloge
50 Nr. 41 [V. d’Indy], 51 Nr. 6 [K. Bank] und 55 Nr. 14 [J. N.
Hummel].)
1864:
Wird
Wagner in Frankreich Erfolg haben oder nicht?
[WAGNER, Minna, Richard Wagners erste
Ehefrau]. Brief mit Kuvert
von Frances Flaxland aus Paris, Juni
1864, an Madame Richard Wagner [Minna Wagner] in Dresden.
Eigenh. Brief
m. U., Paris, 15. Juni 1864 (Poststempel). 4 S., 8vo
(20,5×13,5cm).
Brieffaltungen. Bestens erhalten.
Bestell-Nr.: 58/60 Preis: €
250,00
Die Schreiberin ist die
Ehefrau des Pariser Musikverlegers Gustave Flaxland, bei dem u. a. die
Partitur
der Marche de Tannhäuser (1861) und die
französisch-sprachigen
Klavierauszüge von Rienzi (1869) und Tannhäuser (1861)
veröffentlicht
wurden. Offenbar half die Dame ihrem Mann bei besonders heiklen
Missionen. Hier
berichtet sie von einem Besuch in Dresden, wo sie mit dem Musikverleger
Hermann
Müller (Nachf. von C.F. Meser) über die Möglichkeiten
verhandelt hatte,
französische Ausgaben von Wagners Werken zu produzieren. Dazu habe
sie Müller
6000 Francs ausgehändigt, sodass besagte Werke nun doppelt bezahlt
worden
seinen – zuerst an Wagner, jetzt an den Verleger.Dadurch sei sie
nun sicher,
dass es keinen Streit mehr gebe, „si jamais ces opéras
ont du succès en
France“ (im Falle, dass diese Opern in Frankreich Erfolg
haben sollten…).
WEBERN, Anton von (1883–1945). Eigenh. Brief m. U., Berlin, 17. Oktober
1911, an Dr.
Gerhard Tischer (Verlag Tischer & Jagenberg), Köln. 2 S., 8vo
(16,5× 13cm).
Blatteinriss (ohne Textverlust); etwas blasse Tinte.
Bestell-Nr.: 58/61 Preis: €
1.800,00
Im
Herbst 1911 war Arnold Schönberg nach Berlin
umgezogen, und Webern folgte ihm binnen Wochenfrist – ein
anrührendes Zeugnis
der tiefen Verbundenheit zwischen dem Lehrer und seinem Schüler: „Infolge
meiner Übersiedlung nach Berlin bin ich von jeder Arbeit
abgehalten worden.
Deswegen konnte ich Ihnen meine Sachen nicht schicken und
außerdem den Artikel
über Arnold Schönberg noch nicht fertig stellen. Dies wird in
den nächsten
Tagen geschehen. Und ein Bild Schönbergs schicke ich Ihnen
demnächst.“ Um
welchen Artikel es sich dabei handelt, ist nicht klar: Zwei 1912
erschienene
Artikel Weberns über Schönberg sind jedenfalls nicht in der
von Tischer &
Jagenberg vertriebenen Rheinischen Musik- und Theaterzeitung veröffentlicht
worden. Außerdem schickte Webern dem Verleger drei Werke: „a)
9 Lieder mit
Klavierbegleitung; b) 5 Sätze für Streichquartett; c) 4
Stücke für Geige und
Klavier. Hoffentlich finden Sie darunter etwas Ihnen passendes.“
Doch
vermutlich waren die überwiegend aphoristischen und atonalen
Stücke viel zu
modern; während die Lieder sich nicht zuverlässig
identifizieren lassen,
handelte es sich bei b) und c) um Op. 5 bzw. 7. Sie kamen erst 1922 bei
der
Universal Edition heraus. Tischer & Jagenberg hat keine Komposition
Weberns
veröffentlicht. Man kann allerdings Weberns Versuch, den Verlag zu
wechseln,
als Unzufriedenheit mit der Wiener Firma interpretieren; somit ist
dieser
letztlich fruchtlos wirkende Brief ein wichtiges Dokument für
Weberns
Biographie.
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